Terroralarm in London "Direkte Bedrohung der USA"

Die US-Regierung geht davon aus, dass die in Großbritannien vereitelten Terroranschläge auf Atlantikflüge in Kürze ausgeführt werden sollten. Ein Sprecher des Präsidialamtes sprach von einer "direkten Bedrohung" für die USA, Präsident Bush von einem Krieg "islamischer Faschisten".


Washington - Die Täter hätten "alle benötigten Ressourcen zusammengetragen" und seien "in der Endphase der Planungen vor der Ausführung" der Anschläge gewesen, sagte der US-Minister für Heimatschutz, Michael Chertoff. "Es waren bereits sehr konkrete Schritte im Gange, um alle Vorhaben des Plans auszuführen."

Nach derzeitigem Ermittlungsstand hätten die Täter "mehrere Explosionen in mehreren Flugzeugen" auslösen wollen, sagte der Minister. Zur Zahl der geplanten Attentate und zu den betroffenen Fluggesellschaften wollte sich Chertoff nicht äußern. Er sagte lediglich, dass US-Fluglinien mit Verbindungen zwischen den USA und Großbritannien im Visier der Attentäter gestanden hätten. Der britische Sender SkyNews berichtete, dass das Ziel der Anschläge sechs Maschinen der US-Fluggesellschaften United, Continental und American Airlines gewesen seien. Bei der BBC war von "bis zu zehn Maschinen" die Rede.

Die Pläne ließen auf al-Qaida schließen, sagte Chertoff: "Sie sind ausgeklügelt, viele Leute haben dabei mitgewirkt und sie sind von internationalem Ausmaß." Die Untersuchungen seien aber bislang nicht abgeschlossen und daher könne die Täterfrage noch nicht mit Sicherheit beantwortet werden.

Die US-Regierung hat inzwischen die höchste Warnstufe für Flüge aus England ausgerufen. Für alle anderen Flüge gilt die zweithöchste Alarmstufe. In Großbritannien hatte das Innenministerium in London die höchste Warnstufe verkündet. Auch in anderen Ländern - etwa in Frankreich und Kanada - wurden die Sicherheitsvorkehrungen drastisch verschärft, es kam zu zahlreichen Verspätungen. An den deutschen Flughäfen verstärkte die Bundespolizei die Kontrollen. Einige Fluggesellschaften schränkten die Mitnahme von Handgepäck auf internationalen Flügen ein.

US-Präsident Bush sagte, dass er die Pläne als Beweis dafür sehe, dass die USA sich nach wie vor "im Krieg mit islamischen Faschisten" befände. Seine Regierung würde alles dafür tun, um die amerikanischen Bürger vor dem Terror zu schützen.

Wie ein Sprecher des Weißen Hauses in Washington zuvor mitteilte, wurde Bush bereits "in den letzten Tagen" über die Anschlagspläne informiert. Bush habe regelmäßig "detaillierte Berichte" über den Stand der Ermittlungen erhalten, sagte der Sprecher. Der britische Premierminister Tony Blair lobte in einer Stellungnahme von seinem Urlaubsort auf Barbados die "enorm enge Zusammenarbeit mit den US-Behörden, die von großem Wert war". Er bekräftigte die Entschlossenheit, gegen die Terrorgefahr gemeinsam vorzugehen.

Die Londoner Polizei ist derzeit noch dabei, mehrere Häuser und Grundstücke mutmaßlicher Attentäter zu durchsuchen. Gestern hatte sie 21 Verdächtige festgenommen, unter anderem in London und Birmingham. Unter Berufung auf ihren Polizeireporter bezeichnet SkyNews auf seiner Webseite die Verdächtigen als überwiegend junge Briten mittel- und südasiatischer Herkunft.

Der britische Innenminister John Reid sagte auf die Frage, ob es sich dabei um Muslime handelte: "Wir kämpfen einen langen, ausführlichen Kampf gegen sehr böse Menschen. Hier geht es nicht darum, dass eine Zivilisation gegen die andere kämpft, oder eine Religion gegen die andere". Er sagte, der Terror-Plot habe - was die mögliche Zahl der Opfer betrifft - ein "bislang nie da gewesenes Ausmaß".

str/AP/dpa/reuters/AFP



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