Terroralarm in Washington Cessna kreiste aus Versehen über dem Weißen Haus

Nach mehrstündigem Verhör sind der Cessna-Pilot und sein Flugschüler, die in den gesperrten Luftraum über Washington eindrangen, wieder freigelassen worden. Die Maschine kreiste demnach versehentlich über Kapitol und Weißem Haus. Die Aktion hatte Alarmstufe Rot in der US-Hauptstadt ausgelöst.


Abgefangene Cessna: Zur Landung gezwungen
AP/ The Frederick News-Post

Abgefangene Cessna: Zur Landung gezwungen

Washington - Die Ermittler seien überzeugt, dass die beiden Männer keine Terrorverbindung haben und den Luftraum versehentlich verletzten, hieß es aus Polizeikreisen in Washington. Pilot und Schüler waren mit einer einmotorigen Cessna 150 auf dem Weg zu einer Flugschau in North Carolina. Ihre Flugroute führte sie von Pennsylvania genau über die US-Hauptstadt. Allerdings sind normalerweise alle Piloten über die seit den Terroranschlägen vom 11. September geltenden Beschränkungen informiert.

Die Maschine hielt Polizei und Öffentlichkeit 47 Minuten in Atem. Nach der Entdeckung des Flugzeugs auf dem Radar wurde innerhalb von Minuten höchste Terroralarmstufe verhängt, weil der Pilot Kontakte von der Bodenkontrolle ignorierte. Er kam bis auf sechs Kilometer an das Weiße Haus heran. Die Polizei drängte Hunderte Menschen mit dem dringenden Aufruf wegzurennen, aus dem Kapitol, dem Sitz des Parlaments und dem Weißen Haus.

Zwei Kampfjets stiegen auf, um die Cessna abzufangen. Sie gaben Warnschüsse ab. Die Maschine wurde schließlich abgedrängt und auf einem kleinen Flughafen nördlich von Washington zur Landung gezwungen.

Der Terroralarm hat die Debatte um die Sicherheitsvorkehrungen in der US-Hauptstadt neu entfacht. Während das Weiße Haus und das Kapitol rasch geräumt wurden, wurden die städtischen Behörden erst verspätet gewarnt, wie der Bürgermeister von Washington kritisierte. Bürgermeister Anthony Williams sagte, die Stadt sei über die Bedrohung erst zehn Minuten nach der vollständigen Räumung der Regierungsgebäude informiert worden. Williams' eigenes Büro liegt nur zwei Häuserblocks vom Weißen Haus entfernt.

"Kritische und möglicherweise lebenswichtige Informationen über Bedrohungen, die Bewohner des Regierungsbezirks betreffen, müssen sofort weitergeleitet werden, nicht fünf, zehn oder 15 Minuten nach dem Ereignis", sagte der Bürgermeister. Das Heimatschutzministerium wertete die Reaktionen von Luftwaffe und Sicherheitsbehörden hingegen als Erfolg. "Die Sicherheitsmaßnahmen wurden effektiv umgesetzt", sagte Ministeriumssprecher Brian Roehrkasse.

Präsident George W. Bush bekam von der Aufregung nichts mit. Er war zu dem Zeitpunkt auf einer Fahrradtour im Patuxent Wildlife Research Center in Maryland nördlich von Washington unterwegs und wurde erst eine Stunde später informiert. Seine Frau Laura und Vizepräsident Richard Cheney waren im Amtssitz und wurde in Sicherheit gebracht.

Terror-Alarme keine Seltenheit für Bush

Falscher Terroralarm ist keine Seltenheit. Bei den Trauerfeierlichkeiten für Ex-Präsident Ronald Reagan im Juni vergangenen Jahres, flog irrtümlich ein Flugzeug mit dem Gouverneur des Bundesstaates Kentucky an Bord in die Sperrzone und löste einen Alarm in der Innenstadt Washingtons aus.

Der letzte falsche Alarm erfolgte vor knapp drei Wochen. Am 27. April flüchtete US-Präsident George W. Bush wenige Minuten in einen Bunker unter dem Weißen Haus. Dabei handelte es sich den Angaben zufolge um eine reine Vorsichtsmaßnahme, nachdem es Hinweise auf das Eindringen eines Flugzeuges gegeben habe. Sicherheitskräfte untersuchten nach dem Vorfall, ob eine Anomalie des Radars den Alarm ausgelöst haben könnte. Nach den Worten des Sprechers des Weißen Hauses, Scott McClellan, suchte Bush auch bei anderer Gelegenheit den Bunker auf.



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