»Wir müssen uns verbessern« Terroranschlag in Halle – Einsatzleiter räumt Fehler ein

Unsensibel und respektlos: Nach dem Anschlag von Halle im Oktober 2019 wurde die Arbeit der Polizei kritisiert, auch von den Opfern. Nun hat der Einsatzleiter Mängel eingestanden.
Gedenken nach dem Anschlag: Die Synagoge von Halle

Gedenken nach dem Anschlag: Die Synagoge von Halle

Foto: Jan Woitas / dpa

Gut ein Jahr nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle hat der Leiter des Polizeieinsatzes Schwächen der Polizei beim Opferschutz eingeräumt. »Wir können uns verbessern, wir müssen uns verbessern, und wir sind auf einem guten Weg«, sagte Frank Michler im Untersuchungsausschuss des Landtags in Sachsen-Anhalt.

Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Terrorist versucht, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur in die Synagoge von Halle einzudringen und ein Massaker anzurichten. Er gelangte jedoch nicht in das Gotteshaus, erschoss dann die 40-jährige Passantin Jana L. und später in einem Döner-Imbiss den 20-jährigen Kevin S. Auf der Flucht verletzte er weitere Menschen und lieferte sich einen Schusswechsel mit der Polizei, bevor er festgenommen wurde.

Das Oberlandesgericht Naumburg verurteilte den Mann zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung und stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Vor Gericht hatte er die Tat mit antisemitischen und rassistischen Verschwörungstheorien begründet.

Überlebende hatten das Verhalten der Polizei nach dem Anschlag unter anderem als unsensibel und respektlos kritisiert. Sie hatten vor Gericht und im Ausschuss der Polizei unter anderem vorgeworfen, die Opfer nicht ausreichend vor den Blicken der Presse geschützt zu haben.

»Ich hoffe inständig, dass es der Polizei in unserem Land gelingt, recht zeitnah Schlüsse daraus zu ziehen«, sagte Einsatzleiter Michler. Er nahm seine Kollegen jedoch auch in Schutz: Sie hätten in einer unübersichtlichen Ausnahmesituation gehandelt.

»Es gibt Zeiten, da ist die Polizei kommunikativ und erklärt alles, und dann gibt es Zeiten, in denen die Polizei stringent sein muss und handeln muss«, sagte Michler. »Dass das nicht sehr empathisch wirkt, das weiß ich auch«, sagte der Polizist.

lmd/dpa
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