Terrorgefahr Leibwächter für Sportstars
Lissabon/Athen - Wenn am 12. Juni die Fußballeuropameisterschaft beginnt, laufen ganz besondere Verteidiger auf. Die Fußballer der 16 teilnehmenden Nationen sollen rund um die Uhr von bewaffneten Leibwächtern bewacht werden, berichtet die britische Sonntagszeitung "The Observer". Mitglieder einer portugiesischen Elite-Einheit sowie Militärpolizei mit Einsatzerfahrung im Irak würden sich um die Sicherheit der Spieler kümmern.
Die Maßnahmen seien eine Reaktion auf die wachsende Sorge von Sicherheits- und Geheimdienstleuten, dass Terroristen des Qaida-Netzwerks große Sportveranstaltungen im Visier haben könnten. Aufgrund der großen Aufmerksamkeit und hoher Zuschauerzahlen eigneten sie sich besonders für "spektakuläre Anschläge". Zu den Europameisterschaften werden mehrere Hunderttausend Fans erwartet, zig Millionen werden die Spiele im Fernsehen verfolgen.
Noch größere Sicherheitsmaßnahmen werden in Athen aufgeboten, wenn im August die Olympischen Spiele beginnen. Über die Maßnahmen gebe es jedoch zunehmend Spannungen zwischen den teilnehmenden Ländern und Griechenland, berichtet der "Observer". US-amerikanische und britische Funktionäre erwägen dem "Observer" zufolge sogar, ihre Athleten womöglich gar nicht nach Griechenland reisen zu lassen.
"Wenn die Sicherheitslage eine Änderung in der Haltung der British Olympic Association (BOA) erfordert, mit der ultimativen Sanktion, das Team nicht zu den Spielen zu schicken, dann würden wir das natürlich in Erwägung ziehen müssen", zitiert der "Observer" den BOA-Vorsitzenden Simon Clegg.
Griechenland gibt 735 Millionen Euro für Sicherheit aus, knapp dreimal so viel wie Australien für die Olympischen Spiele vor vier Jahren. Die Athleten werden sich nur in Begleitung bewaffneter Sicherheitskräfte durch die Drei-Millionen-Metropole bewegen. Ganze 50.000 Personen umfasst der Sicherheitsapparat, davon sind 16.000 Soldaten. CIA und FBI koordinieren laut "Observer" die Geheimdienstmaßnahmen.
Für den nach dem Bombenterror von Madrid angeforderten Einsatz von Nato-Truppen sollen nun noch einmal 350 Millionen Euro hinzukommen. Die Operationen des Bündnisses laufen nach Angaben der Athener Zeitung "Kathimerini" unter dem Code-Namen "Fähiger Wächter". In der mittelgriechischen Stadt Larissa soll ein Nato-Spezial-Bataillon zum Schutz vor Angriffen mit ABC-Waffen stationiert werden. Die Stadt liegt geographisch günstig in der Mitte des Landes zwischen Athen und der nordgriechischen Hafenstadt und verfügt über einen der größten Militärflughäfen des Landes.
Unklar sei noch, wo die Awacs-Maschinen des Flugabwehr-Frühwarnsystems stationiert werden sollen. In Frage kommt ein westgriechischer Flughafen am Ionischen Meer. Im Mittelmeer sollen mindestens 15 Schiffe der Allianz patrouillieren.
Der Präsident des Olympischen Komitees, Jacques Rogge, hatte vergangene Woche in Athen gewarnt, die Gefahr bestehe, dass Sicherheitsbelange zu kurz kämen. Das Komitee erwäge, eigene Beobachter nach Athen zu schicken, so der "Observer".
Griechenland gab letzte Woche den USA die Erlaubnis, während der Olympischen Spiele Experten von der US-Behörde für Nationale Atomsicherheit an sieben Grenzposten, darunter zwei Flughäfen, zu stationieren.
Die Skepsis gegenüber der Fähigkeit Griechenlands, ausreichende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, wird dadurch verstärkt, dass das Land selbst mit den Bauarbeiten für die Olympischen Spiele überfordert scheint. Erst vergangene Woche musste die Regierung eingestehen, dass das Olympiastadion erst drei Wochen vor Beginn der Spiele fertig wird. Frühestens.