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01. August 2005, 06:26 Uhr

Terrorismus

Spur der Londoner Attentäter führt nach Saudi-Arabien

Ein mehrmonatiger Trainingskurs und ein Telefonat: Zwei der Londoner Attentäter hatten nach einem Bericht des "Sunday Telegraph" Verbindungen nach Saudi-Arabien. Für die Londoner Polizei gilt weiter höchste Alarmbereitschaft – die Bedrohung bleibe "sehr real".

 Polizeiermittlungen in London: Höchste Alarmbereitschaft
REUTERS

Polizeiermittlungen in London: Höchste Alarmbereitschaft

London - Der in Rom inhaftierte Osman Hussain habe kurz vor seiner Festnahme von seinem Handy aus nach Saudi-Arabien telefoniert, berichtete der "Daily Telegraph". Der ebenfalls am Freitag gefasste Muktar Said Ibrahim habe nach Angaben von Freunden im Jahr 2003 in dem Land einen zwei- bis dreimonatigen "Trainingskurs" absolviert. Worin das Training bestand, konnten die Freunde dem Blatt nicht sagen. Ibrahim habe sich kurz vor der Reise jedoch verändert und sich einen Bart wachsen lassen, berichteten sie. Ibrahim soll zudem Verwandte in Saudi-Arabien haben.

"Sehr, sehr müde"

In der britischen Hauptstadt herrscht weiterhin höchste Alarmbereitschaft: Nach Zeitungsberichten über befürchtete neue Anschläge einer dritten Terrorzelle werden heute erneut Tausende Scharfschützen in den Straßen und auf den Dächern Londons im Einsatz sein, berichtete die Tageszeitung "Times". Politiker und Verantwortliche der Polizei fragen sich unterdessen, wie lange noch ein solch intensiver Polizeieinsatz trotz aller Anstrengungen personell durchzuhalten sei, schrieb das Blatt weiter. Polizeichef Ian Blair gab zu, seine Beamten seien "sehr, sehr müde".

Der Antiterror-Chef von Scotland Yard, Peter Clarke, betonte, die Bedrohung bleibe "sehr real". Eine Polizeisprecherin bestätigte, dass die Ermittler weitere Verdächtige im Zusammenhang mit den Londoner Anschlägen suchten, von einer dritten Terrorzelle sei aber nicht die Rede gewesen.

Scotland Yard konzentriert sich nun bei der Suche nach weiteren Terroristen auf die Verhöre von zwölf Terrorverdächtigen, die bei den spektakulären Polizeioperationen der vergangenen Woche in Großbritannien und Rom festgenommen wurden. Sie stehen alle im Verdacht, an den Anschlägen auf U-Bahnen und Busse im Juli in London beteiligt gewesen zu sein. Darunter befinden sich auch die vier mutmaßlichen Rucksackbomber.

Gestern hatte die britische Polizei sieben Verdächtige im Seebad Brighton festgenommen. Dabei handele es sich um sechs Männer und eine Frau, teilte Scotland Yard mit. Damit befanden sich am Abend insgesamt 19 Terrorverdächtige in Polizeigewahrsam. Ein bei Stockport in Nordengland festgenommener Mann wurde nach fast sechs Stunden wieder freigelassen. Gegen ihn liege nichts vor, teilte die Polizei des Großraums Manchester mit. Der Mann war gestern Nachmittag am Bahnhof von Stockport auf Grundlage des Anti-Terror-Gesetzes festgenommen worden.

Derweil wehrt sich der in Rom festgenommene mutmaßliche Rucksack-Attentäter von London, nach Großbritannien ausgeliefert zu werden. Der 27-jährige gebürtige Äthiopier Hamdi Adus Issac lebte unter dem somalischen Namen Osman Hussein in London. Bis zur endgültigen Gerichtsentscheidung über eine Auslieferung bleibe er in Einzelhaft in einem römischen Gefängnis in Rom, hieß es.

Völlig unabhängig geplant

Nach Informationen der "Sunday Times" gestand Issac, der britischer Staatsbürger ist, die Beteiligung an den Anschlägen. Nach Angaben der Zeitung soll Issac außerdem ausgesagt haben, dass die an den gescheiterten Attentaten vom 21. Juli Beteiligten in keiner Verbindung zu den Selbstmordanschlägen vom 7. Juli auf drei U-Bahnen und einen Bus in London gestanden hätten. Dabei waren 56 Menschen ums Leben gekommen und weitere 700 verletzt worden. Er und seine Komplizen hätten die Attentate völlig unabhängig geplant. Nach Berichten der "Sunday Times" und des "Sunday Telegraph" soll Issac vor seiner Festnahme mehrfach in Saudi-Arabien angerufen haben. Nun ermittele die Polizei, ob die Anschläge von London vielleicht von dort aus organisiert wurden.

Die Polizei hatte bei der erfolgreichen Verfolgung der vier Rucksackbomber am Freitag einen fünften möglichen Attentäter festgenommen. Dabei handelt es sich um Whabi Mohammed, 23, einen Bruder des Rucksackbombers Ramsi Mohammed, der am selben Tag gefasst worden war. Seit mehreren Tagen gab es in Großbritannien Spekulationen um einen fünften Bomber, nachdem vor einer Woche in einem Gebüsch in London ein Rucksack mit einem Sprengsatz entdeckt worden war.

In London waren bei der spektakulären Polizeiaktion außerdem der mutmaßliche Attentäter Muktar Said Ibrahim alias Muktar Muhammad Said, 27, gefasst worden. Am Mittwoch zuvor war als Erster der mutmaßlichen Terroristen Yasin Hassan Omar, 24, in Birmingham überwältigt worden. Der gebürtige Somalier lebte seit vielen Jahren legal auf der britischen Insel, wie auch der aus Eritrea stammende Said.

Nach britischen Zeitungsberichten kam die Polizei den Terrorverdächtigen in London durch Hinweise aus der Bevölkerung auf die Spur, nachdem Aufnahmen von Überwachungskameras veröffentlicht worden waren. Auch Angehörige der Verhafteten sollen der Polizei geholfen haben. Der nach Berichten als mutmaßlicher Hintermann der Anschläge vom 7. Juli verdächtigte Haroon Rashid Aswat (30) wird von Sambia an Großbritannien ausgeliefert. Das gaben die Behörden des afrikanischen Landes am Wochenende bekannt. Aswat soll 20 Mal mit den Londoner Rucksackbombern telefoniert haben.

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