Terrorprozess Mzoudi soll Anschläge auch auf Kinder befürwortet haben

Im zweiten Hamburger Terrorprozess ist der mutmaßliche Terrorhelfer Abdelghani Mzoudi durch die Aussage eines Zeugen schwer belastet worden. Mzoudi sei ein "extrem fanatischer" Muslim, der sich damit gebrüstet habe, das von iranischen Fundamentalisten ausgerufene Todesurteil gegen den Schriftsteller Salman Rushdie auszuführen.


Angeklagter Mzoudi, Anwältin Pinar: "Sehr krasse Ansichten"
DDP

Angeklagter Mzoudi, Anwältin Pinar: "Sehr krasse Ansichten"

Hamburg - Nach Angaben eines ehemaligen Mitbewohners hatte Abdelghani Mzoudi ausgesagt, er befürworte Anschläge, "auch wenn Kinder die Opfer seien". Zur Begründung habe Mzoudi gesagt: "Kleine Juden werden auch mal groß", sagte der Bauingenieur Bernd F., der Mitte der neunziger Jahre mit dem Marokkaner in einem Studentenwohnheim lebte. Außerdem habe er behauptet, "er würde selbst das Todesurteil gegen den Schriftsteller Salman Rushdie vollstrecken".

Der Zeuge betonte, er habe Mzoudis Aussagen über Rushdie nur für Lippenbekenntnisse gehalten. "Ich bin immer noch der Meinung, dass er diese Sache nicht vollstrecken würde. Ich würde es ihm nicht zutrauen." Das liege an seiner Art: "Er war ein bescheidener, ruhiger und netter Mitbewohner", erklärte F.

Der Zeuge erklärte, er habe immer versucht, das Thema Palästina-Konflikt im Gespräch zu vermeiden. "Er hatte da sehr krasse Ansichten." Außerdem sei er offenbar sehr fromm gewesen.

Dem 30-jährigen Elektronikstudenten, der während der Zeugenaussage keine Regung zeigte, werden Beihilfe zum Mord in mindestens 3066 Fällen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Er soll als Mitglied der Hamburger Terrorzelle um Mohammed Atta bei der Vorbereitung der Anschläge mitgewirkt haben.

Mzoudi hat bislang vor dem Gericht keine Aussage zu den Vorwürfen gemacht. Im Falle einer Verurteilung muss Mzoudi wie der bereits verurteilte Mounir al-Motassadeq mit einer 15-jährigen Haftstrafe rechnen. Das Urteil gegen Motassadeq ist noch nicht rechtskräftig, weil über den Revisionsantrag noch nicht entschieden worden ist. Motassadeq soll am 23. September in dem Prozess gegen Mzoudi als Zeuge vernommen werden. Nach Angaben des Vorsitzenden Richters Klaus Rühle ist allerdings noch nicht klar, ob Motassadeq zu einer Aussage bereit ist.



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