Terrorserie in Bangladesch Minister verdächtigt al-Qaida, Dutzende in Haft

Nach der Serie von Bombenattacken auf Kinos in Bangladesch hat die Regierung über 60 Oppositionsmitglieder verhaftet. Der Innenminister sagte, hinter den Angriffen stecke möglicherweise die Terrorgruppe al-Qaida, deren Vizechef angeblich in dem Land untergetaucht ist.


Bomben auf dem Boden: Ein Soldat inspiziert eines der zerstörten Kinos
AFP

Bomben auf dem Boden: Ein Soldat inspiziert eines der zerstörten Kinos

In Mymenshingh, wo die Anschläge verübt worden waren, seien 21 Menschen festgenommen worden und würden verhört, teilte die Polizei am Sonntag mit. In der Hauptstadt Dhaka seien 39 Mitglieder der oppositionellen Partei Awami Liga in Gewahrsam genommen worden.

Unterschiedliche Aussagen gab es zum Kreis der Verdächtigen. Ein Minister hatte zwar erklärt, die radikal-islamische Organisation al-Qaida könne hinter den Anschlägen stecken. Allerdings stünden auch Extremisten der Opposition auch unter Verdacht. Bei den Anschlägen starben 17 Menschen, rund 300 weitere wurden verletzt.

Unter den Festgenommenen in Mymenshingh in Norden Bangladeschs befänden sich einige Studenten, teilte die Polizei mit. In Dhaka handele es sich um Parteimitglieder, darunter auch ein ehemaliger Minister sowie ein Universitätsdozent und andere führende Mitglieder der Awami Liga.

Nach Polizeiangaben wurden die Personen in Dhaka wegen verdächtiger Aktivität in Gewahrsam genommen. Sie seien nicht wegen direkter Verbindung zu den Anschlägen festgenommen worden. Weitere Einzelheiten nannte die Polizei nicht. Ein hochrangiges Mitglied der Awami Liga verurteilte die Anschläge und sprach von einer Verschwörung gegen die Opposition.

Die offenbar koordinierten Explosionen ereigneten sich nahezu zeitgleich in vier Kinos in Mymenshingh und deren Vororte, etwa 150 Kilometer nördlich von Dhaka. Die Kinos waren mit rund 2000 Menschen besetzt, die den Ausgang des moslemischen Eid-el-Fitr-Festes zum Ende des Fastenmonats Ramadan feierten. Viele Familien hatten ihre Kinder dabei. Ärzten zufolge sind etwa 50 Personen lebensgefährlich verletzt worden.

"Scheinbar sind die Bomben auf dem Boden der Kinos explodiert, weil viele Opfer am unteren Teil des Körpers verletzt wurden", sagte Zahid Hossain von der Ärztevereinigung. Den Angaben zufolge waren keine Ausländer unter den Opfern.

"Die Polizei verdächtigt al-Qaida oder eine andere Terrorgruppe hinter den Bombenexplosionen", sagte Innenminister Altaf Hossain Chowdhury der Nachrichtenagentur Reuters. Chowdhury versetzte die Sicherheitskräfte des Landes in Alarmzustand, "um jedem weiteren Versuch einer solchen Terrortat vorzubeugen". "Wir versuchen herauszufinden, wer tatsächlich in diese grausamen Taten verwickelt ist", sagte er. Der Polizei zufolge bekannte sich zunächst niemand zu den Anschlägen.

Erst kürzlich hatte eine indische Zeitung berichtet, der Ägypter Aiman el Sawahiri, zweiter Mann nach Bin Laden in al Qaida, sei in Bangladesch untergetaucht. Bangladesch hat jedoch Vorwürfe des Nachbarlandes Indien zurückgewiesen, das Land biete Mitgliedern des Terrornetzes Unterschlupf. Im Oktober hatten mutmaßliche Sympathisanten der Organisation Anschläge in einem Touristenort auf der indonesischen Insel Bali verübt. Diese Anschläge galten jedoch offensichtlich den zahlreichen Gästen aus Australien und Übersee. Unter den fast 200 Toten waren auch Deutsche.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.