Fehlurteil in Texas Unschuldig - Todeskandidat nach neun Jahren frei

In Texas hat ein zum Tode verurteilter Häftling das Gefängnis als freier Mann verlassen - nach neun Jahren. Manuel Velez war zu Unrecht wegen Mordes an einem Kind verurteilt worden.

Todeskandidat Velez bei seiner Freilassung (mit Anwalt Brian Stull): Geständnis nicht verstanden
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Todeskandidat Velez bei seiner Freilassung (mit Anwalt Brian Stull): Geständnis nicht verstanden


Huntsville/Houston - "Er hätte niemals verhaftet werden dürfen": Mit diesen Worten kommentiert Anwalt Brian Stull die Freilassung seines Mandanten Manuel Velez. Wegen Mordes an einem Kleinkind war Velez im US-Bundesstaat Texas zum Tode verurteilt worden - nun kam der Häftling nach neun Jahren im Gefängnis frei. "Wir sollten uns für die Fehler schämen, die Manuel an den Rand einer Hinrichtung gebracht haben", sagt sein Anwalt.

Velez war 2005 festgenommen und 2008 verurteilt worden; zur Last gelegt wurde ihm der gewaltsame Tod des knapp einjährigen Sohnes seiner Freundin. Laut "Houston Chronicle" hatte ein Gericht das Todesurteil bereits 2012 gekippt, erst jetzt allerdings durfte Velez das Gefängnis von Huntsville verlassen. Er ist demnach auf Bewährung in Freiheit.

Velez besitzt laut Medienberichten einen extrem niedrigen Intelligenzquotienten und kann nicht lesen. Vor seiner Verurteilung unterschrieb er ein Geständnis, obwohl er das Dokument offenkundig nicht verstanden hatte. Endgültig zu Fall brachte die Verurteilung ein Alibi, das im ursprünglichen Prozess unerwähnt geblieben war: So erlitt der einjährige Junge seine letztlich tödlichen Kopfverletzungen, während Velez rund tausend Kilometer entfernt in Tennessee bei der Arbeit war.

Nach Aufzeichnungen des US-Informationszentrums zur Todesstrafe (DPIC) wurden seit 1973 in den USA 146 zum Tode Verurteilte für unschuldig erklärt, davon zehn in Texas.

Hinrichtungen seit 1976

rls/AFP

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insgesamt 68 Beiträge
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egal 09.10.2014
1. Auch das wird
die Amis nicht schocken. Das Land steckt intellektuell noch im Zeitalter der Colts und Pferdediebe und entwickelt sich religiös fundamental weiter Richtung Mittelalter. Dort angekommen, wird es das Niveau des Islam erreichen. Wir sollten hohe Mauern um Europa herum bauen. Die SED=Linke könnte dort ihre Expertise einbringen. Zur Not fragen wir die hiesigen Chinesen noch um Rat und der Pole kann es billig bauen.
Trainspotter 09.10.2014
2.
Das Problem ist nicht die Todesstrafe als solche, sondern dass sie wirklich nur benutzt werden sollte, wenn die Schuld ohne jeglichen Restzweifel geklärt ist.
larry_lustig 09.10.2014
3. Todesstrafe
bin ich eigentlich nicht dagegen, wenn es eine Möglichkeit gäbe, die Verurteilung unschuldiger zu 100% zu vermeiden. Da es die aber nicht gibt (selbst Geständnissen kann ja nicht getraut werden), darf sie meiner Meinung nach nicht angewendet werden.
sametime 09.10.2014
4. Unschuldig, aber nur auf Bewährung?
Wieso ist jemand noch zwei Jahre in Haft, wenn das Urteil schon 2012 gekippt wurde? Und warum ist jemand, der es nicht gewesen sein kann, nur auf Bewährung draußen? Muss er jetzt jemand töten, damit er sich bewährt? Denn das hat er ja zuvor nicht getan. Schwachsinnige Justiz, nicht nur in den USA.
hjcatlaw 09.10.2014
5. Die lediglich bedingte
Entlassung nach noch weiteren zwei Jahren im Gefängnis nach einem Freispruch widerspricht irgendwie dem mitteleuropäischen Rechtsverständnis.
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