Thanksgiving Ein bisschen Schrott und einen Truthahn für 50 Cent

Pünktlich zum Thanksgiving-Fest dachte sich ein kalifornischer Autoverkäufer einen ganz besonderen Verkaufsgag aus. Auf seinem Schrottplatz sollten die Kunden Truthähne jagen. Weil Tierschützer etwas dagegen hatten, ist er auf einem Berg Geflügel sitzen geblieben.


Schrotthändler McElroy: Wohin mit 320 Truthähnen?
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Schrotthändler McElroy: Wohin mit 320 Truthähnen?

Anaheim - Eigentlich wollte Glenn McElroy seinen Umsatz ein bisschen ankurbeln. Und weil am Wochenende wieder Erntedank gefeiert wird, kaufte der Chef der amerikanischen "Pick Your Part"-Schrottplätze 320 Truthähne und karrte sie auf seine Höfe in Wilmington, Kalifornien. Jeder Kunde, der am Freitag ein Ersatzteil kaufen würde, sollte nach Truthähnen jagen dürfen. Würde er einen fangen, könnte er ihn für 25 Cent (50 Pfennig) kaufen.

Doch Tierschützer bekamen Wind von seinen Marketingmethoden und schrieben den Behörden wütende Briefe. McElroy, so forderten sie, sollte seine Aktion abbrechen. Ansonsten drohten sie ihm mit juristischer Verfolgung. "Der Schuss ging nach hinten los", sagte der Schrotthändler am Mittwoch in seiner Zentrale in Anaheim. "Ich dachte, es sei eine nette Idee, den Kunden lebende Vögel mitzugeben." So aber hat die Aktion ein Chaos verursacht. McElroy bleibt auf 320 Truthähnen sitzen.

"Truthähne fressen wie Schweine"

Der misslungene Scherz kommt ihn zudem teuer zu stehen: Allein 5000 Dollar (10.000 Mark) kosteten die Vögel. Wieviel er für Fahrtkosten, Werbung und Tierfutter ausgab, hat McElroy noch nicht ausgerechnet. Erst einmal sucht er jetzt nach einer wohltätigen Organisation, die "lebende Spenden" annimmt. Oder die seine Vögel zumindestens füttert, denn die "fressen wie Schweine".

Die meisten Organisationen, erklärt der Schrotthändler, benötigen allerdings eine Sondergenehmigung, um die Vögel zu töten. Einzelpersonen dürfen Tiere zum eigenen Verzehr töten, müssen sich aber an Vorschriften des Tierschutzes und der Gesundheitsbehörde halten. Nun versucht er ein Schlachthaus zu finden.

Gestresste Truthähne

Einer Schuld ist sich McElroy nicht bewusst. "Ich verstehe nicht, was ich falsch gemacht haben soll", sagt er. "Ich habe sie doch menschlich behandelt - sie leben im Schatten, haben Wasser und wir haben jede Menge Futter gekauft."

Ganz anderer Meinung sind da die Tierschützer und werfen ihm Tierquälerei vor. "Das ist unmenschlich", sagte Tierschützerin Jackie David aus Los Angeles. "Die Truthähne können sich selbst verletzen." Außerdem könnte die ganze Angelegenheit sie ziemlich stressen. Die Tiere wären eng aneinander gepfercht gewesen und hätten dreckiges Wasser trinken müssen. Dieses Problem, so David weiter, hätte McElroy, allerdings schon beseitigt.





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