Nach Terrordrohungen Sony sagt Kinostart von Nordkorea-Komödie ab

Nachdem mehrere Kinobetreiber aus Angst vor Anschlägen den Nordkorea-Film "The Interview" nicht ins Programm aufnehmen wollten, hat das Filmstudio Sony Pictures die Premiere abgesagt. US-Ermittler machen Nordkorea für den Cyberangriff auf Sony verantwortlich.


New York - Das Filmstudio Sony Pictures hat nach Terrordrohungen den Kinostart der umstrittenen Nordkorea-Komödie "The Interview" abgesagt. Sony hatte es zunächst den Kinobetreibern überlassen, zu entscheiden, ob sie den Film zeigen wollen oder nicht - eine überraschende Entscheidung, denn üblicherweise stehen in den USA die Spielpläne schon Monate vorher fest. Die Mehrheit der Kinoketten hat sich entschlossen, den Streifen nicht ins Programm aufzunehmen, erklärte Sony: "Deshalb haben wir beschlossen, den für den 25. Dezember geplanten Kinostart abzusagen."

Das Filmstudio stehe zu seinen Filmemachern und dem Recht auf freie Meinungsäußerung und sei enttäuscht von der Absage der Kinobetreiber. Aber: "Wir respektieren und verstehen die Entscheidung unserer Partner und teilen natürlich auch ihr vorrangiges Interesse an der Sicherheit ihrer Angestellten und Kinobesucher."

Eine Gruppe, die sich selbst "Die Friedenswahrer" nennt, hatte unter Berufung auf die Anschläge vom 11. September 2001 explizit vor einer Aufführung des Films gewarnt: "Wir werden Ihnen klar zeigen, welch bitteres Schicksal jene erleiden, die Spaß am Terror haben. Wenn Ihr Haus in der Nähe ist, gehen Sie lieber weg."

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Abgesagte Premiere von "The Interview": Sony knickt ein

Cyberangriff im Auftrag Nordkoreas

In dem Film wird die Geschichte von zwei Journalisten erzählt (Seth Rogen und James Franco), die die Möglichkeit bekommen, mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un ein Interview zu führen. Die CIA gibt ihnen daraufhin den Auftrag, den Staatschef zu töten.

Die nordkoreanische Regierung hat die Komödie in einem Brief an Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon als "unverhohlene Förderung des Terrorismus sowie eine Kriegshandlung" gebrandmarkt und "gnadenlose Gegenmaßnahmen" im Falle einer Vorführung angekündigt.

Erst vor wenigen Tagen hatten Hacker Tausende interne Dokumente von Sony Pictures kopiert und sensible Daten, etwa interne E-Mails und persönliche Informationen über Filmstars, im Internet veröffentlicht. Es wird davon ausgegangen, dass die Drohungen rund um den Film von derselben Hackergruppe stammen - und diese im Auftrag der nordkoreanischen Regierung handelt.

US-Ermittler seien sich sicher, dass Nordkorea hinter dem Cyberangriff steckt. Sie seien sich "zu 99 Prozent sicher", dass die Hacker im Auftrag der nordkoreanischen Regierung gearbeitet hätten, schreibt unter anderem die "Washington Post". Ein offizieller Bericht solle am Donnerstag vorgestellt werden.

Die US-Bundespolizei FBI hat eine Warnung an Kinobetreiber, Marketing- und Produktionsfirmen herausgegeben: Firmen, die in irgendeiner Weise mit dem Film in Verbindung stünden, seien mögliche Ziele weiterer Cyberangriffe.

US-Präsident Barack Obama sagte dem US-Fernsehsender ABC, die Terrordrohungen seien nicht glaubwürdig. "Wir sind wachsam, wenn wir eine Gefahr sehen, alarmieren wir die Bevölkerung." Die US-Regierung nehme die Cyberattacke auf das Filmstudio sehr ernst, so Obama: "Aber zum jetzigen Zeitpunkt wäre meine Empfehlung, dass Leute ins Kino gehen sollen."

vet/dpa/AP/Reuters



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