Theologe über Tebartz-van Elst "Eines Bischofs unwürdig"

Seit Monaten steht der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst für seine Amtsführung in der Kritik. Nun meldet sich der renommierte Theologe Hermann Häring zu Wort: In einem Brief tadelt er den Bischof mit scharfen Sätzen - und sieht in dem Fall ein grundsätzliches Problem der Kirche.

Bischof Tebartz-van Elst: "Ablenkungen und Verschleierungen"
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Bischof Tebartz-van Elst: "Ablenkungen und Verschleierungen"

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Limburg - Der Theologe Hermann Häring hat in einem Brief an Limburger Pfarrer den Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst scharf kritisiert. In dem wortgewaltigen Schreiben konstatiert Häring, "dass in der Amtsführung von Bischof Tebartz-van Elst keine Korrektur zu erwarten ist".

Nach Häring seien "Ablenkungen und Verschleierungen, Ausflüchte, Vertröstungen und halbrichtige Behauptungen" zur Routine geworden. Dieses Verhalten habe "ein jedes Vertrauen in das, was uns der Bischof und seine offiziellen Instanzen zur Selbstverteidigung erklären, schwinden lassen".

Häring, ein renommierter Theologe, Kritiker von Benedikt XVI. und ehemaliger Mitarbeiter Hans Küngs, entlädt enormen Frust in seinem Brief. Es ist ein weiteres Schreiben in diesem Konflikt, nachdem erst die Stadtversammlung der Frankfurter Katholiken sowie Priester und Laien in einem offenen Brief gegen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst rebellierten, ehe der Geistliche selbst mit einem reuigen Schreiben reagierte.

Tebartz-van Elst steht seit Monaten wegen seines Führungsstils und angeblicher Verschwendung in der Kritik: Die Kosten für seinen neuen Bischofssitz sind explodiert, inzwischen musste er zugeben, dass der Gesamtbau wesentlich mehr als 10 Millionen Euro kosten würde. Viel Wirbel machte sein Flug erster Klasse nach Indien im vergangenen Jahr, den er zwischenzeitlich bestritt und dann doch einräumen musste. Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen falscher eidesstattlicher Versicherung.

"Nicht fähig, sich selbst zu beobachten"

"Dieser enorme Vertrauensverlust ist ein unhaltbarer Zustand, den ein Bistum nicht verdient, der eines Bischofs unwürdig ist und die Betroffenen im Grunde verhöhnt", schreibt nun Häring in seinem Brief. Und weiter: "Ganz offensichtlich ist dieser Kirchenmann überhaupt nicht fähig, sich selbst zu beobachten und in eine selbstkritische Beziehung einzutreten, seine Schwächen zu erkennen und etwas zuzugeben, vielleicht Reue zu zeigen, geschweige denn darüber zu reden und sein Verhalten konkret zu ändern."

Häring sieht den Fall Tebartz-van Elst gar als beispielhaft für die Praxis der Kirche unter den beiden vorherigen Päpsten: Bischöfe seien bislang nur dann berufen worden, "wenn sie absolut obrigkeitshörig waren und sich von persönlichen Sonderproblemen der Gläubigen nicht irritieren ließen". Der Fall sei deshalb so wichtig, "weil er eine Mentalität bloßlegt, die sich - gedämpfter vielleicht - bei vielen Bischöfen eingenistet hat".

Den Brief des Bischofs nennt Häring einen "zarten, geradezu ängstlichen Beginn einer Annäherung", der "noch vieler vieler Schritte" bedürfe.

Einen Schritt ging Tebartz-van Elst mittlerweile: Am Donnerstag lädt er in den neuen Bischofssitz auf der Limburger Domplatte ein. Es sollen Gruppenführungen stattfinden. Während der Bauphase war das Objekt streng abgeschirmt worden. Nach SPIEGEL-Informationen konnten Handwerker den Bau jedoch dokumentieren. Am Montag sagte Tebartz-van Elst bei einer Veranstaltung in Königstein, es stünden Sachen in den Zeitungen, "die gar nicht stimmen". Er fühle sich ohnmächtig.

Häring schreibt am Ende seines Briefes: "Falls er sein Amt nicht zur Verfügung stellt, hat er noch einen dornigen Weg vor sich."

insgesamt 36 Beiträge
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mamamia2013 03.09.2013
1. Danke, für diese Klarheit!
Wie lange müssen die Menschen im Bistum Limburg noch ohnmächtig zusehen, wie ihr Bistum ruiniert und von TvE benutzt wird?? Ihm geht es nur um sich selbst und seine Eitelkeiten. Es macht mich so wütend, dass die Kirchenleitungen in Deutschland und Rom sich weiter bedeckt halten, abwarten und die Menschen im Bistum Limburg alleine lassen. Wer schweigt stimmt zu!!!!!
gerd.lt 03.09.2013
2. Schuh anziehen
Über den Lebensstil und seine Art der Amtsausübung braucht man sich nicht näher auszulassen, dass ist alles hinlänglich bekannt. Aber dieser Bischof ist ja kein freischwebender Theologe, auch er hat seine Vorgesetzten, die all das, mit dem Tebartz-van Elst die Öffentlichkeit vor den Kopf stößt, manchmal auch kopfschüttelnd erheitert, geschehen lässt. Aber der jetzt aufkommende Kritiker-Mut ist wohl dem neuen Papst geschuldet - hoffentlich passiert ihm nichts Unvorhergesehenes! - was belegt, dass alle Kirchenkritiker in der Vergangenheit völlig Recht hatten, und die Verantwortlichen sich den Schuh Tebartz-van Elst anziehen müssen. Das Pünktchen auf dem i, dass alles wird vom allgemeinen Steueraufkommen (nicht von der Kirchensteuer!) bezahlt.
Lesender01 03.09.2013
3. Nicht die Kirche hat ein ...
Problem mit sich, sondern wir atheistischen Bürger haben ein Problem mit den Kirchen. Mit ihren Dogmen, ihrer hemmungslosen Gier, ihren goldglänzenden Kirchen, ihrem Machtmissbrauch und nachgewiesener sexueller Ausbeutung von Kindern, ihrer Inquisition und ihrem Machtreflex durch die Kirchenverträge der Weimarer Zeit sowie dem brutalen Pakt mit den Nationalsozialisten und der geisteskranken Art des Umgangs mit Waisen des 2. Weltkrieges und ihrer frechen Art, nach all ihren Kreuzzügen und weiteren Expansionskriegen, nunmehr den Frieden auf der Welt zu predigen, gehören diese Vereinigungen endgültig verboten. Alle Bürger zahlen für die Vollsanierungen dieser kirchlichen Immobilien. Ich habe schon Pastoren darüber lachen gehört.
antonwitt 03.09.2013
4. TvE
Zitat von sysopDPASeit Monaten steht der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst für seine Amtsführung in der Kritik. Nun meldet sich der renommierte Theologe Hermann Häring zu Wort: In einem Brief tadelt er den Bischof mit scharfen Sätzen - und sieht in dem Fall ein grundsätzliches Problem der Kirche. http://www.spiegel.de/panorama/theologe-hermann-haering-kritisiert-tebartz-van-elst-a-920233.html
ist äußerst wichtig für die Kirche, die Religion und die Diskussionen über diese esoterischen Vereine. Nur durch solche Pharisäer schaffen endlich die Auseinandersetzung: entweder reformiert sich dieser Verein von innen heraus, oder der "Staat" zieht sich endlich aus der GG-mäßigen unzutreffenden Alimentierung zurück. Dabei ist es egal ob ein "Hirte" Millionen verschleudert, an die jungfräuliche Geburt glaubt oder sich mit der sex. Mißhandlung seiner "Schäfchen" (anvertrauten Menschen) zu wenig auseinandersetzt. Veränderung, Revolution, Absetzung, etc. kommt nur von unten und durch verstärkte Diskussionen und Hinweise auf Mißbrauch des "Amtes".
volker_morales 03.09.2013
5. Kirchensteuer-Mißbrauch
Es müssen nicht immer nur unschuldige Knaben sein. Auch der Mißbrauch von Kirchensteuermitteln zur Finanzierung eines übertrieben persönlichen Lebensstils, ist ethisch absolut unvertretbar. Es wundert mich wirklich, dass ein Bischof offenbar über keinerlei Störgefühl verfügt, trotz des Elends in der Welt und dem eigentlichen Kern der christlichen Botschaft, dem er sich verpflichtet fühlen sollte. Bei vielen Gläubigen entsteht der Eindruck, dass es sich eine elitäre, homosexuell orientierte Gruppe im Klerus auf Kosten der Gläubigen gut gehen läßt und den eigentlichen Glauben, den sie vorgeben zu repräsentieren und zu verteidigen, tatsächlich mit Füße treten.
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