Tianjin Schwere Explosionen erschüttern chinesische Millionenstadt

Dutzende Menschen wurden getötet, Hunderte verletzt: In der chinesischen Hafenstadt Tianjin hat es zwei heftige Explosionen gegeben. Zahlreiche Gebäude stehen noch immer in Flammen, die Löscharbeiten mussten abgebrochen werden.


In der chinesischen Stadt Tianjin hat es am Mittwochabend zwei schwere Explosionen in einem Industriegebiet gegeben. Wie das chinesische Staatsfernsehen berichtet, kam es in einem Lagerhaus im Hafen gegen 23.30 Uhr Ortszeit zu dem Unfall.

Laut dem TV-Sender CCTV wurden die Einsatzkräfte zunächst wegen eines Feuers in dem Lagerhaus alarmiert, in dem Gefahrgüter deponiert waren. Nachdem die Retter eintrafen, kam es zu mindestens zwei schweren Explosionen - so stark, dass sie vom nationalen Erdbebenzentrum registriert wurden.

Die erste Explosion habe die Kraft von drei Tonnen TNT gehabt, während die zweite Explosion der Detonation von 21 Tonnen des Sprengstoffs entsprochen habe. Noch in mehreren Kilometern Entfernung zerbarsten Fensterscheiben.

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China: Inferno in Tianjin
Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua wurden mindestens 44 Menschen getötet, darunter zwölf Feuerwehrleute. Mehr als 400 Personen wurden teils mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert. Die genaue Ursache der Detonationen ist bisher nicht bekannt. Die Behörden haben aber mehrere Mitarbeiter des betroffenen Unternehmens Ruhai Logistics verhört.

Abbruch der Löscharbeiten

Das Gelände am Hafen steht noch immer in Flammen, die Löscharbeiten wurden abgebrochen. Die Brandbekämpfung sei zu gefährlich, weil nicht bekannt sei, welche Chemikalien dort lagerten, teilte die Stadtregierung mit. Auch die Menge der vorhandenen Gefahrgüter sei unbekannt.

Die Feuerwehr hatte zuvor nach eigenen Angaben den Kontakt zu 36 Mitarbeitern vor Ort verloren. Rund hundert Löschfahrzeuge waren im Einsatz. Zwischenzeitlich hatten staatliche Medien voreilig berichtet, der Brand sei bereits unter Kontrolle. Derzeit suchen die Rettungskräfte in den umliegenden Vierteln noch immer nach Verletzten.

Präsident Xi Jinping forderte die Einsatzkräfte auf, alles zu unternehmen, "um die Verletzten zu retten und zu behandeln und ihre Sicherheit und ihr Eigentum zu bewahren". Staatsmedien berichteten, Hunderte Menschen hätten sich zum Blutspenden gemeldet.

Tianjin ist eine der wichtigsten Hafenstädte Chinas und liegt im Norden des Landes, rund 150 Kilometer von Peking entfernt. Knapp 15 Millionen Menschen leben in Tianjin.

syd/kbl/AP/dpa/Reuters/AFP



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