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Sturmtief "Axel" "Das ist kein Kindergeburtstag"

Sturmtief "Axel" hat schwere Schäden verursacht, es gibt mehrere Verletzte. Besonders schwer getroffen ist Usedom, in Dänemark sprechen die Behörden von einem "Jahrhundertereignis".

Hunderte Verkehrsunfälle im Süden, eine schwere Sturmflut im Norden: Das Tief "Axel" hat in Deutschland über Nacht erhebliche Schäden angerichtet, bei Unglücken auf glatten Straßen wurden mehrere Menschen verletzt. Besonders schwer betroffen von Zerstörungen ist die Ostseeinsel Usedom, wo die Alarmstufe 3 ausgerufen wurde.

Zwischen Koserow und Zempin gab es Steiluferabbrüche. Wie der NDR berichtet , fehlt am Zempiner Kurplatz etwa ein Drittel der Düne. Teile des Hochuferwegs seien von der See verschlungen worden, ein Strandkiosk drohe in die Ostsee zu stürzen. Zudem seien Treppenaufgänge, Imbissbuden und Teile von Strandpromenaden weggerissen worden, sagte ein Sprecher des Kreises Vorpommern-Greifswald: "Das ist kein Kindergeburtstag. Das ist schlimmer als erwartet."

Bürgermeister Werner Schön zeigte sich dem Bericht zufolge erzürnt über die Schäden, da bereits im Oktober ein Hochwasser Teile des Strandes und Dünen weggeschwemmt hatte. Damals stand das Umweltministerium in der Kritik; die jüngsten Schäden hätte man verhindern können: "Man möge mir das nachsehen, aber ich bin wirklich ein bisschen zornig, dass hier überhaupt nichts passiert", sagte Schön dem NDR. "Wir müssen uns endlich Gedanken machen, wie wir hier mit dem Küstenschutz verfahren."

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Sturmtief "Axel": Verletzte in Bayern, Chaos auf Usedom

Foto: Carsten Rehder/ dpa

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie erwartet bis zum Mittag an der Ostseeküste noch Wasserstände von bis zu 1,20 Meter über dem mittleren Wasserstand. "Die Pegel fallen derzeit wieder, die Lage normalisiert sich langsam", teilte die Polizei in Lübeck mit. Teils hatten die Stände über 1,50 Meter gelegen, was für die Ostseeküste einer schweren Sturmflut entspricht.

In Schleswig-Holstein gab es allein im Ostteil des Bundeslands zahlreiche Hochwassereinsätze, abgeschleppte Autos und Überschwemmungen. Besonders betroffen war nach Angaben der Polizei die Lübecker Altstadt. Zehn Autos mussten vorsorglich abgeschleppt oder aus dem Wasser geborgen werden.

In Küstenorten, zum Beispiel Neustadt in Holstein, und auf der Insel Fehmarn liefen Keller voll. Bei Westerberg auf Fehmarn versucht die Feuerwehr, eine unter dem Meeresspiegel liegende Ferienhaussiedlung zu schützen. Der Deich zwischen Püttsee und Westerberge war stark aufgeweicht und wurde in Teilen gesperrt. Auch in Eckernförde, Laboe und Heikendorf pumpten Einsatzkräfte Straßen in Hafennähe leer und sicherten sie.

Betroffen von der Sturmflut war auch die dänische Küste. An mehreren Orten sprach die Wetterbehörde DMI angesichts des hohen Wasserstands von einem "Jahrhundertereignis". Mancherorts war der Pegel zwischenzeitlich knapp 180 Zentimeter höher als üblich. Weil die Dänen sich auf das Hochwasser vorbereitet hatten, hielten sich die Einsätze jedoch in Grenzen, es gab keine Verletzten.

In Süddeutschland ist es wegen glatter Straßen und heftiger Schneefälle zu Hunderten Verkehrsunfällen gekommen. Im Süden von Oberbayern habe es bis zum Morgen etwa 160 Verkehrsunfälle binnen einem Tag gegeben, sagte ein Polizeisprecher. Das seien etwa dreimal so viele wie sonst. Im Norden der Region gab es nach Polizeiangaben weitere 170 Unglücke auf den Straßen.

Vor allem im Osten und Süden Deutschlands kann es laut Deutschem Wetterdienst heute auch tagsüber bei kräftigen Schnee- und Graupelschauern zu Wintergewittern kommen. An den Nordrändern der Mittelgebirge sowie an den Alpen könne es lang anhaltende Schneefälle geben. Im Bergland könnten die Temperaturen über frisch gefallenem Schnee sogar auf minus 20 Grad sinken. Am Freitag sei in ganz Deutschland tagsüber "gemäßigter Frost" bei bis zu minus sieben Grad zu erwarten.

Tief "Axel" zieht von Skandinavien quer über die Ostsee und soll sich dann in Richtung Weißrussland bewegen. Mehr über das Wetter erfahren Sie hier.

mxw/dpa/AFP
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