Tiere in der Zivilisation Nor einen wönzigen Schlock

Manche Tiere lassen es sich nicht bieten, wenn sich der Mensch in ihrem Lebensraum ausbreitet, und schlagen zurück. Kojote im Kühlschrank, Leopard im Bett, Bär an der Flasche - Schnappschüsse der ungebetenen Besucher.

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Hamburg - Gekonnt setzt der Schwarzbär an einem Waldrand in Kalifornien die Flasche an, hält den Kopf in den Nacken und lässt sich die süße Brause den Schlund herunterrinnen: Bären mögen Cola - so viel steht fest, seit ein Fotograf das Tier kürzlich beim Festmahl ablichtete. Die Essensreste, die aus der umgekippten Tonne kullerten, wird der Bär ebenfalls kaum verschmäht haben. So elegant allerdings wie das Ausleeren der Plastikflasche dürfte der Rest des Mahls wohl nicht ausgesehen haben.

Immerhin: Das Tier näherte sich zwar den Häusern in South Lake Tahoe, beschränkt sich aber auf das Leerfressen der Tonne. Schon seit Jahren fallen Bären immer wieder in Wohngebiete in den USA ein, fressen Obstbäume leer, wühlen im Müll und nehmen auch mal ein Bad im Familienpool - zum Entsetzen der Anwohner.

Die Menschen wiederum sind oft selbst Schuld, dass sich die eigentlich ungebetenen Gäste immer wieder aufs Neue im Garten einfinden. Wer Essensreste liegenlässt oder die Tiere gar füttert, lädt sie geradezu ein. Sie dann wieder loszuwerden, wird schwer. Pfefferspray etwa soll pelzige Störenfriede vertreiben, wasserspritzende Plastikkrähen sollen an der Küste nervige Seelöwenbanden von Segelbooten scheuchen - mit wenig Erfolg.

Auf der Suche nach Nahrung fand sich Ende Mai ein hungriger Leopard im Bett eines Familienvaters wieder. Ein Reh spazierte in ein Parlamentsgebäude in der ostkanadischen Provinz New Brunswick, sah sich dort auf der Pressetribüne um und suchte dann mit einem großen Satz aus dem Fenster das Weite. In Göttingen randalierten herrenlose Ziegen auf dem Bahnhof herum und blockierten den Verkehr.

In Chicago nahm ein Kojote in einem Kühlschrank Platz, im US-Bundesstaat Colorado hatte ein Hirsch einen Campingstuhl am Hals. Nicht immer gibt es Bilder von den denkwürdigen Auftritten, wenn aber doch mal ein Schnappschuss gelingt, hat der tierische Hauptdarsteller schon einen Platz in den Geschichtsbüchern sicher - beinahe jedenfalls.



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