Tierquälerei Gepeinigtes Schwein sollte Tarzans Tiger retten

Die Erschießung von "Bobo", dem Tiger von Ex-Tarzan-Mime Steve Sipek, hat ein Nachspiel. Eine Frau wollte die Raubkatze mit einem quiekenden Schweinchen nach Hause locken - und muss sich jetzt wegen Tierquälerei verantworten.


Steve Sipek nach dem Tod von "Bobo": "Das war Mord"
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Steve Sipek nach dem Tod von "Bobo": "Das war Mord"

Miami - Linda Meredith ist eine Frau der Tat. Als sie erfuhr, dass "Bobo" vom Anwesen Steve Sipeks entlaufen war, wollte sie helfen. Also schnappte sie sich ihr Yorkshire-Schweinchen, warf es in den Kofferraum ihres Cadillacs und begab sich auf Tigersuche. Die Hilfssheriffs der Kleinstadt Loxahatchee, so der Plan der Frau, sollten das Schweinchen an den Hinterbeinen hin- und her schwingen und seine Ohren verdrehen, auf dass sein Quieken die Raubkatze nach Hause locke.

Die Polizisten fanden einem Bericht der "Palm Beach Post" zufolge die Idee weniger gut und ließen sich von der aufdringlichen Schweinebesitzerin zu nichts überreden. Richtigen Ärger aber bekommt Linda Meredith nun von anderer Seite: Die örtliche Tierschutzbehörde zeigte sie wegen Tierquälerei an. "Ich war erschüttert", empörte sich Behördenchefin Diane Sauve. "Ein Tier bei 32 Grad Hitze in einem Kofferraum zu transportieren, in dem wahrscheinlich Temperaturen von 60 Grad herrschen, ist nicht akzeptabel."

Meredith wiederum reagierte aufgebracht auf die Anzeige. "Ich kann es nicht glauben", sagte sie. "Ich wollte dem Tiger nur helfen, seinen Weg nach Hause zu finden. Aber offenbar ist es nicht nett, nett zu sein." Die Temperaturbelastung des Schweins kommentierte die Frau mit der Bemerkung, der Kofferraum ihres Cadillacs besitze eine Klimaanlage. Und außerdem habe sie das Schweinchen später sowieso essen wollen.

"Bobo" war am Mittwoch erlegt worden, nachdem er sich einen Tag lang in Freiheit befunden hatte. Wildhüter hatten versucht, den 270 Kilogramm schweren bengalischen Tiger mit Betäubungspfeilen zu stoppen. Als der Tiger angriff, zückte einer der Männer sein Sturmgewehr und erlegte "Bobo". Sipek, der in zwei Billigfilmen der sechziger und siebziger Jahre den Tarzan gab, stellte sich anschließend blutverschmiert und tränenüberströmt vor die TV-Kameras und bezichtigte die Beamten des Mordes.

Katzenfreunde bombardierten die Fischerei- und Tierschutzbehörde Floridas mit bösen E-Mails und Anrufen. Auf einer eigens eingerichteten Internetseite rufen sie jetzt zu Spenden für Sipek auf - damit der Tarzan-Darsteller seine restlichen Raubtiere - ein Tiger, zwei Löwen, einen schwarzen Leopard und einen Puma - beschützen kann. Ob das Geld für höhere Zäune zweckgebunden ist, wurde nicht bekannt.



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