Tod im Obdachlosenheim Ermittler rätseln über Brandursache

Neun Tote, fünf Verletzte und ein ausgebranntes Obdachlosenasyl - das ist die vorläufige Bilanz eines Feuers, das in der Nacht in einer Containeranlage in Halberstadt ausgebrochen ist. Die Polizei geht von einem Unfall aus. Ob es in dem Heim Sicherheitsmängel gab, ist unklar.


Halberstadt - Die Anlage sei 1996 von der Stadt gebaut worden, sagte Sprecherin Ute Huch SPIEGEL ONLINE. Das Bauordnungsamt habe damals eine Genehmigung für zehn Jahre erteilt. Ob regelmäßige Kontrollen stattgefunden haben, konnte sie nicht sagen. "Ich gehe davon aus, dass es keine Mängel gab", sagte sie.

Feuerwehrleute in Halberstadt: Für viele kam die Hilfe zu spät
DPA

Feuerwehrleute in Halberstadt: Für viele kam die Hilfe zu spät

Bei dem Brand sind neun Menschen ums Leben gekommen. Fünf weitere Bewohner des Obdachlosenheims wurden verletzt und mit Rauchvergiftungen sowie leichten Brandverletzungen ins Krankenhaus gebracht. In der aus Wohncontainern bestehenden Unterkunft hatten sich in der Nacht 15 Männer aufgehalten, sagte ein Polizeisprecher. Zunächst war von zehn Toten die Rede, weil die Beamten bei einer ersten Begehung ein verkohltes Möbelstück für eine Leiche gehalten hatten. Ein unverletzter Bewohner meldete sich am Morgen bei der Polizei.

Die Brandursache war zunächst unklar. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf einen Anschlag. Möglich seien eine technische Ursache oder fahrlässige Brandstiftung. Landes-Innenminister Klaus Jeziorsky (CDU) sagte, die Ursache für das Feuer müsse schnell geklärt werden, um Spekulationen zu vermeiden. Zugleich lobte er den Einsatz der Rettungskräfte.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe kritisierte die Zustände in vielen Heimen für Obdachlose. "Unterkünfte müssen in einem vernünftigen Zustand sein. Das sind sie oft nicht", sagte eine Sprecherin. Vor allem in kommunalen Wohnungslosen-Quartieren sei es häufig eng. Es werde viel mit Provisorien wie Containeranlangen gearbeitet, besondere Brandschutzvorschriften gebe es dafür nicht. Zum Zustand des betroffenen Asyls äußerte sie sich aber nicht.

Halberstadts Oberbürgermeister Harald Hausmann (parteilos) sagte, es habe die Ärmsten der Armen getroffen. Nunmehr gehe es um Hilfe und Unterstützung für die Verletzten. Nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus kämen die verletzten Opfer in Wohnungen der städtischen Wohnungsunternehmen unter.

Das Feuer war um 5.30 Uhr in dem Heim am Rande von Halberstadt ausgebrochen. Ein Anwohner hatte den Brand bemerkt und die Rettungskräfte alarmiert. Bei den Toten handelt es sich um Männer im Alter von 35 bis 71 Jahren. Einige von ihnen lebten bereits seit Eröffnung des Heimes dort. Den Angaben zufolge gibt es kein Personal in der Anlage. Ein Hausmeister wohnt in der Nachbarschaft. Die Rettungskräfte konnten zunächst die Wohncontainer wegen der großen Hitze im Inneren nicht betreten. Daher verzögerte sich die Bergung der Leichen.

Brandermittler des Landeskriminalamtes suchen nach Hinweisen auf die Ursache für das verheerende Feuer. Die Unterkunft bestand aus 16 in zwei Reihen parallel aufgestellten Wohncontainern, die durch einen Flur miteinander verbunden waren. Dort waren 16 Obdachlose gemeldet. Ein Mann befand sich wegen einer Erkrankung in einem Krankenhaus.



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