Tod im Urlaub Reiseveranstalter muss Schmerzensgeld zahlen

Nach dem Tod eines deutschen Jungen in einem griechischen Hotelschwimmbad muss der Reiseveranstalter ITS mehr als 70.000 Euro Schmerzensgeld an die Familie zahlen. Das Unternehmen hafte für die Mängel an der Wasserrutsche, die zum Ertrinken des damals Elfjährigen geführt hätten, entschied das Kölner Landgericht.

Köln - Das Gericht gab damit der Zivil-Klage der Mutter statt. Die Höhe der Entschädigung sei angemessen, weil die Eltern und die beiden Brüder seit dem Tod des Jungen an schweren psychischen Schäden litten (Aktenzeichen 8 O 264/04), hieß es heute in der Urteilsbegründung.

Das Kind aus Wernshausen in Südthüringen war im August 2001 in einem Hotelschwimmbad ertrunken, als es von einem ungesicherten Ansaugrohr unter Wasser gezogen wurde. Wegen des großen Drucks konnte es sich nicht befreien, auch seine Geschwister und ein herbei geeilter Helfer waren machtlos. Der Hotelbetreiber wurde bereits in Griechenland wegen fahrlässiger Tötung zu 18 Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt. Er legte Berufung ein.

Das Kölner Gericht machte in seinem Urteil deutlich, dass Reiseveranstalter auch dann für Sicherheitsmängel an den Freizeitangeboten einer Hotelanlage haften, wenn sie die Attraktionen nicht in ihren Prospekten bewerben. Sie müssen überprüfen, dass alle Anlagen des Hotels die Sicherheitsstandards einhalten. Der Ansicht von ITS-Touristik, die Wasserrutsche hätte nicht zur Leistung des Reisevertrags gehört, folgte der Richter nicht. Diese Einschränkung hätte das Unternehmen seinen Kunden ausdrücklich mitteilen müssen.

Die Mutter des Jungen hatte zu Prozessbeginn eine Vergleichszahlung des Reiseveranstalters abgelehnt. Das Gericht hatte vorgeschlagen, die Klage gegen ITS auf Schadenersatz und Schmerzensgeld gegen die Zahlung von 30.000 Euro zurückzunehmen.

Der Bundesgerichtshof hatte bereits 1988 entschieden, dass sich ein Reiseveranstalter von dem "verkehrssicheren Zustand" eines Hotels überzeugen müsse. Der Professor für Reiserecht an der Technischen Universität Dresden, Ronald Schmid, vertritt die Ansicht, dass ein Reiseveranstalter alle Anlagen auf dem Hotelgelände inspizieren müsse - auch wenn er sie nicht ausdrücklich im Katalog anpreise. "Der Reiseveranstalter muss damit rechnen, dass der Hotelgast das Angebot nutzt", sagte Schmid. Dieser Einschätzung schloss sich das Gericht heute an.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.