Todesfahrt in den Niederlanden Ermittler vermuten Anschlagsversuch

Es sollte ein heiteres Fest werden - und endete in einer Tragödie: Bei der Feier des niederländischen Nationalfeiertags in Apeldoorn ist ein Autofahrer in die Menge gerast. In unmittelbarer Nähe der Königsfamilie tötete er vier Menschen und verletzte 13 weitere - Ermittler vermuten einen Anschlagsversuch auf die Monarchin.

Apeldoorn - "Das ist ein Blutbad, furchtbar", stammelt eine Frau im niederländischen Apeldoorn unter Tränen vor laufenden Fernsehkameras. Gemeinsam mit vielen Hunderten Menschen wurde sie Augenzeugin eines Zwischenfalls, der die Feierlichkeiten zum niederländischen Nationalfeiertag überschattet. Vier Menschen wurden bei der Crash-Fahrt eines 38-jährigen Autofahrers getötet, fünf wurden schwer und acht leicht verletzt. Die Staatsanwaltschaft geht vom Verdacht eines versuchten Anschlags auf die Monarchin der Niederlande aus. Der Täter soll zudem wegen Totschlag oder gar Mord angeklagt werden.

Die Königsfamilie war am Donnerstagvormittag im offenen Bus durch die Straßen der 155.000-Einwohner-Stadt Apeldoorn gefahren, auf dem Weg zum Schloss Het Loo, und winkte den Tausenden ausgelassen feiernden Menschen zu. Als der Bus um eine Kurve fuhr, spielten sich plötzlich dramatische Szenen ab.

Ein schwarzer Pkw des Typs Suzuki Swift durchbrach mehrere Absperrungen und fuhr auf der Paradestrecke in die Menschenmenge. Umstehende wurden über die Motorhaube katapultiert, viele Menschen lagen verletzt auf der Straße.

Der Pkw raste - bereits mit extrem beschädigter Motorhaube - auf ein Denkmal zu, rammte es frontal und kam zum Stehen, Polizeibeamte liefen sofort zu dem Fahrzeug. Der Mann am Steuer wurde schwer verletzt. Der Fahrer soll einem Sprecher des niederländischen Justizministeriums zufolge "bewusst gehandelt" haben. Um einen Terroranschlag habe es sich aber offenbar nicht gehandelt.

Augenzeugen berichteten, der Pkw sei gezielt auf den Bus zugefahren, nur der Umstand, dass der Bus in dem Moment in eine Kurve eingebogen sei, habe eine Kollision verhindert. Ein Augenzeuge sagte dem Fernsehsender n-tv, der Pkw sei mit "80 oder 100 km/h" Geschwindigkeit in die Menge gerast.

Die Mitglieder der Königsfamilie - darunter Königin Beatrix, 71, Thronfolger Willem-Alexander, 42, und seine Frauen Máxima, 37 - verfolgten vom Bus aus sichtlich entsetzt das Geschehen und wurden dann umgehend in Sicherheit gebracht.

"Es war ein netter Tag gewesen", sagte ein weiterer Augenzeuge dem Sender RTL. "Plötzlich hört man einen Knall, jeder blickt sich um, und man sieht Menschen durch die Luft fliegen. Dann bricht plötzlich Panik aus, und man merkt, dass etwas wirklich Schreckliches passiert."

Kurz nach dem Unglück waren Sprengstoffexperten mit Hunden am Unfallwagen, dann wurde für weitere Untersuchungen das Dach abgesägt.

Vier Menschen wurden bei der Fahrt des Suzuki-Fahrers getötet, fünf seien schwer und acht leicht verletzt worden, teilte der Bürgermeister von Apeldoorn, Freed de Graaf, auf einer Pressekonferenz offiziell mit. Königin Beatrix sei über die Ereignisse "sehr schockiert" und teile den Schmerz der Opfer und deren Angehöriger, erklärte das Königshaus. "Was als schöner Tag begann, endete nun in dieser schrecklichen Tragödie. Das schockiert uns zutiefst", sagte Beatrix in einer ersten Stellungnahme, die im Fernsehen gezeigt wurde. Den Angehörigen der Opfer sprach sie ihr Beileid aus. In der Entourage der Monarchin wurde niemand verletzt.

"Wir sind alle tief betroffen über diese schrecklichen Ereignisse", sagt auch der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende.

Bürgermeister de Graaf sagte alle Feierlichkeiten in Apeldoorn ab. Die Stadt Rotterdam schloss sich an. Es wurde erwartet, dass die Feiern überall in den Niederlanden abgesagt werden.

In der Metropole Amsterdam nahmen die Menschen zunächst nur am Rande Notiz von den Ereignissen in Apeldoorn, das rund hundert Kilometer entfernt liegt. Auch hier waren die meisten zum Zeitpunkt des Geschehens auf den Straßen, um ausgelassen den Königinnentag zu feiern. 

"Ich habe von der Sache in Apeldoorn gehört, als ich zur Arbeit kam", sagt der Student Jesse Le Cras, 21, der an diesem Tag in einer Bar jobbt. "Es ist schrecklich. Ich glaube, dass es ein Anschlag war."

Ein anderer wollte nicht glauben, dass die Feierlichkeiten nun abgebrochen werden. "Das wäre doch unvernünftig", sagt Pieter Heijke, 31, der wie Tausende andere Niederländer von auswärts angereist ist, um in Amsterdam zu feiern. "Ich kann das alles noch nicht glauben."

Sarah Gehrke, Amsterdam, pad/AP/dpa/afp