Todesgerüchte Wirbel um Geheimdienstbericht über Osama

Dass al-Qaida-Chef Osama Bin Laden längst tot ist, wurde oft behauptet, aber nie bewiesen. Ein vertraulicher Bericht des französischen Geheimdienstes legt nun nahe, Bin Laden sei im August an Typhus gestorben. Das Verteidigungsministerium in Paris prüft, wie der Report an eine Regionalzeitung gelangen konnte.

Paris - Die Regionalzeitung "L'Est Republicain" druckte heute einen vertraulichen Bericht des französischen Auslandsgeheimdienstes DGSE ab, wonach Ermittler in Saudi-Arabien vom Tod Osama Bin Ladens überzeugt seien. "Einer für gewöhnlich vertrauenswürdigen Quelle zufolge sind die saudischen Dienste nun der Ansicht, dass Osama bin Laden tot ist", zitiert das Blatt aus dem Dokument. Westliche und pakistanische Geheimdienstbeamte schätzten die Dokumente allerdings als vage ein und äußerten sich so zurückhaltend, dass die Informationen als wenig vertrauenswürdig gelten müssen.

Die Zeitung zitiert aus der DGSE-Note, dem saudischen Geheimdienst zufolge habe Bin Laden am 23. August in Pakistan "eine sehr starke Typhus-Krise" erlitten. Danach seien seine Beine halb gelähmt gewesen. Seine fluchtbedingte Isolation habe jede medizinische Hilfe unmöglich gemacht. "Am 4. September 2006 haben die saudischen Dienste die ersten Anzeichen für seinen Tod erhalten", heißt es. Offiziell solle Bin Laden erst dann für tot erklärt werden, wenn klar sei, wo er begraben liege.

Der Bericht ist nach Angaben der Zeitung am Donnerstag unter anderem Frankreichs Präsidenten Jacques Chirac und dem Ministerpräsidenten Dominique de Villepin vorgelegt worden. Mitarbeiter von Chirac und Villepin sowie ein Sprecher des Auslandsgeheimdienstes selbst wollten den Bericht zunächst nicht kommentieren. Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie hat nach Angaben der Zeitung "eine Untersuchung gefordert, um den Ursprung dieses Lecks zu ermitteln", das "strafrechtlich relevant" sein könne.

Ein hochrangiger Vertreter des pakistanischen Innenministeriums sagte: "Wir haben keine Informationen über den Tod von Osama." Man habe keinerlei Informationen von ausländischen Regierungen bekommen, dass Bin Laden an Typhus gestorben sei. Dies sei aber das übliche Vorgehen, so dass er sich nicht vorstellen könne, dass der Bericht richtig sei, sagte der Sprecher, der anonym bleiben wollte.

Bereits am 19. September hatte der DGSE dem Zeitungsbericht zufolge notiert, der saudische Geheimdienst versuche, Nachrichten zum Tode Bin Ladens zu verifizieren. Die jetzigen Informationen würden als so verlässlich angesehen, dass sie weitergeleitet worden seien.

US-geführte Spezialeinheiten fahnden seit Jahren vergeblich im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan nach dem Terroristenführer. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA fehlt von Bin Laden jede Spur. In den vergangenen Jahren wurde wiederholt spekuliert, er sei längst tot.

ffr/Reuters/dpa