Todesstrafe für Serienmörderin "Ich hasse menschliches Leben"

Eine ehemalige Prostituierte, die sechs Männer umgebracht haben soll, steht im US-Bundesstaat Florida vor der Hinrichtung. Der Fall erregte Aufsehen, weil die Verurteilte für sich selbst die Todesstrafe gefordert hatte. Ihr Ex-Verteidiger bezweifelt ihre Zurechnungsfähigkeit.


Aileen Wuornos: "Kalt wie Eis"
AP

Aileen Wuornos: "Kalt wie Eis"

Miami - Die inzwischen 46-jährige Aileen Wuornos, die vor zehn Jahren des Mordes an sechs Männern für schuldig befunden worden war, hatte im Frühjahr die Erlaubnis des Obersten Gerichts von Florida erhalten, ihre Anwälte zu entlassen. Damit wurden gleichzeitig alle Rechtsmittel gegen die Vollstreckung der Todesstrafe mit der Giftspritze gestoppt. "Ich bin jemand, der menschliches Leben hasst und wieder töten würde", hatte Wuornos in einem Brief an das Gericht geschrieben. "Ich bin so schuldig, wie man nur sein kann," erklärte sie während des Prozesses. "Die Welt soll wissen, dass ich diese Männer getötet habe – kalt wie Eis."

Ihr ehemaliger Verteidiger Billy Nolas erklärte, Wuornos leide unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung - darunter versteht man psychiatrische Störungen, die auf Aufmerksamkeits- und Verhaltensstörungen in der Kindheit zurückzuführen sind.

Wuornos wuchs bei ihren Großeltern auf. Ihr Vater beging Selbstmord im Gefängnis, wo er eine Haftstrafe wegen Kindesmissbrauchs verbüßte. Im Alter von 14 Jahren wurde Wuornos schwanger, mit 15 wurde sie zur Prostituierten. "Sie ist die am meisten gestörte Persönlichkeit, die ich je vertreten habe", sagte Nolas.

Staatsanwalt John Tanner erklärte jedoch nach Gesprächen der Todeskandidatin mit Psychologen, Wuornos mache einen sehr vernünftigen und klarsichtigen Eindruck. "Sie weiß genau, was sie tat."

Der Fall Wuornos liegt mehreren Büchern, Filmen und sogar einer Oper zu Grunde.



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