Tödlicher Unfall Autobahn-Drängler ist Ingenieur bei Mercedes

Der Unfallflüchtling von der A 5 ist ermittelt: Ein 34-jähriger Mann soll für den tödlichen Verkehrsunfall bei Karlsruhe verantwortlich sein, bei dem vor rund fünf Wochen eine 21-jährige Frau und ihre zweijährige Tochter ums Leben kamen. DaimlerChrysler bestätigte, dass der Mann Ingenieur bei Mercedes ist.



Karlsruhe - Bei dem schweren Unfall hatte der Mann das Auto der jungen Frau von der Fahrbahn gedrängt. Laut Zeugenaussagen war er in seinem Mercedes CL 600 mit mehr als 200 Stundenkilometern beinahe auf den Pkw der jungen Frau aufgefahren. Beim Ausweichen nach rechts kam sie von der Fahrbahn ab, verlor die Kontrolle über ihr Auto und prallte gegen zwei Bäume.

"Staatsanwaltschaft und Polizei sind sicher, den fieberhaft gesuchten Fahrer eines dunklen Mercedes gefunden zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft in Karlsruhe mit. "Der Mann bestreitet eine Verwicklung in den Unfall", hieß es weiter. Er wolle den Unfall gar nicht bemerkt haben. Zur Person des Mannes teilte die Staatsanwaltschaft lediglich mit, dass er deutscher Staatsangehöriger sei. Weitere Angaben dürften im Hinblick auf die "schutzwürdigen Belange des Verdächtigen" derzeit nicht gemacht werden. Die Polizei fahndete jedoch stets nach einem Mercedes mit Böblinger Kennzeichen.

Der genaue Unfallhergang und die Tatbeteiligung des Verdächtigen seien "noch nicht abschließend geklärt", betonte die Staatsanwaltschaft. Ein Gutachten zur Rekonstruktion des Geschehensablaufs und eine weitere Expertise zu Frage, ob sich das Fahrzeug des Verdächtigen und der Wagen der 21-Jährigen berührt haben, lägen noch nicht vor. Beide Gutachten werden in den nächsten Tagen bei der Staatsanwaltschaft erwartet. Mit einem Abschluss des Verfahrens könne dann bis Ende September gerechnet werden.

Das örtliche Amtsgericht entzog dem Drängler wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung vorläufig den Führerschein. Außerdem werde dem Verdächtigen Gefährdung des Straßenverkehrs und unerlaubtes Entfernen vom Unfallort zur Last gelegt. Haftgründe lägen jedoch nicht vor.

Der Mann ist Ingenieur des Automobilkonzerns DaimlerChrysler. "Es wird gegen einen Mitarbeiter unseres Hauses ermittelt", bestätigte Sprecherin Nicole Ladage. Das betreffende Auto sei ein Dienstwagen aus dem Fuhrpark der Firma, jedoch kein Testwagen, hieß es von DaimlerChrysler. Der Fahrer sei auf dem Weg zum Arbeitsplatz gewesen. DaimlerChrysler will gegen den Mitarbeiter derzeit keine Schritte einleiten. "Wir werden niemanden vorverurteilen." Der Mitarbeiter befinde sich derzeit im Urlaub.

Der 34-Jährige wurde nach akribischer Überprüfung von mehr als 700 Fahrzeugen der Mercedes S- und E-Klasse durch eine aus 42 Beamten bestehende Sonderkommission der Polizei und durch Zeugenaussagen ermittelt. So habe sich ein Zeuge, der das Unfallgeschehen beobachtet habe, an wesentliche Bestandteile des Kennzeichens erinnert. Die weiteren Ermittlungen ergaben der Staatsanwaltschaft zufolge, dass der Mann mit einem dunkelblauen Mercedes CL 600 zum fraglichen Zeitpunkt den Unfallort auf der Autobahn befahren habe. Im Rahmen der Ermittlungen wurden auch zahlreiche Autos aus dem Fuhrpark von DaimlerChrysler überprüft.

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