Tokio kämpft gegen Hitzewelle "Große Operation Wasser sprengen"

Um die Metropole vor dem Hitzeschock zu retten, greifen die Tokioter jetzt zu ungewöhnlichen Mitteln: Ab heute sind Hunderttausende Hauptstädter dazu aufgerufen, die Straßen mit Kübel und Wasserschlauch eigenhändig herunterzukühlen.


Skyline von Tokio: Hitzestau in der Betonwüste
AP

Skyline von Tokio: Hitzestau in der Betonwüste

Tokio - Handarbeit statt Hightech: Die Verwaltung der japanischen Hauptstadt setzt auf eine ungewöhnliche Methode, um die Hitzewelle zu mildern. In der "Operation Wasser sprengen" ist die Bevölkerung aufgerufen, selbst Hand anzulegen. Das ehrgeizige Ziel: Innerhalb der kommenden Woche sollen landesweit rund eine Million Menschen Wasserkübel auf die Straßen schütten. Durch das verdunstete Wasser soll die Temperatur in Tokio um 0,5 bis ein Grad Celsius gesenkt werden. So abenteuerlich diese Methode auch klingt, sie könnte Erfolg haben: Bei Tests hatte das Transportministerium im vergangenen Jahr diese Werte erzielen können.

Die Gründe für den verzweifelten Appell an die Mitbürger liegen auf der Hand. Japan ächzt in diesem Jahr unter der längsten Hitzewelle seit 1923 - dem Jahr, in dem man mit der Erfassung von Wetterdaten begonnen hatte. Hunderte von Menschen wurden bereits mit Hitzschlag in die Krankenhäuser eingeliefert. Um die stark bebaute Hauptstadt zusätzlich abzukühlen, sind Bauherren verpflichtet, die Dächer neuer Gebäude zu begrünen - bisher ohne großen Erfolg. Die Operation soll außer in Tokio in neun weiteren Großstädten des Landes stattfinden.

Möglicherweise wird die Aktion aber doch noch überflüssig. Ein Taifun nähert sich Japan, in manchen Regionen fielen heute schon bis zu 40 Zentimeter Niederschlag. Bei Erdrutschen und Überschwemmungen kamen mindestens vier Menschen ums Leben.



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