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Katastrophe in Oklahoma Obama schickt Nationalgarde ins Tornado-Gebiet

Der Wirbelsturm schlug eine Schneise der Zerstörung mitten durch die Stadt. Nach dem verheerenden Tornado im US-Bundesstaat Oklahoma läuft in der schwer getroffenen Gemeinde Moore die Suche nach Überlebenden. US-Präsident Obama erklärte die Region zur Katastrophenzone.

Moore - In den frühen Morgenstunden stehen einige Eltern vor einer Kirche in Moore, einem Vorort in Oklahoma City. Jemand gibt mit einem Lautsprecher Namen durch. Namen der Kinder, die bereits gerettet wurden. Überlebende des tödlichen Tornados, der in der Region um Oklahoma City Dutzende Menschen in den Tod riss. Viele Familien sind erleichtert, als die Namen aufgerufen werden. Doch einige müssen weiter bangen.

Einer der schwersten Tornados der US-Geschichte wütete zuvor durch Oklahoma City und Umgebung. Er hinterließ eine 32 Kilometer lange und vier Kilometer breite Schneise der Zerstörung. Besonders schwer hat es das Städtchen Moore getroffen. Von ihm ist nahezu nichts mehr übrig, nachdem der Sturm mit einer Geschwindigkeit von bis zu 320 Kilometern pro Stunde über die Stadt hinwegfegte.

Einsatzkräfte und Anwohner suchen mit Taschenlampen in den Trümmern nach Überlebenden. US-Präsident Barack Obama stufte den Tornado als Katastrophe ein und mobilisierte die Nationalgarde zur Unterstützung der Rettungsteams vor Ort. Mehr als 300 Häuser sind nach Behördenangaben zerstört worden. Die Suche gestaltet sich schwierig, in Oklahoma ist es noch dunkel. Die Infrastruktur ist zusammengebrochen, die Straßenbeleuchtung ausgefallen: Erst in einigen Stunden, bei Tageslicht, wird es möglich sein, das gesamte Ausmaß der Katastrophe zu erfassen.

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Oklahoma: Riesenwirbelsturm über Moore

Foto: Ed Zurga/ dpa

Eltern haben sich auf die Suche nach ihren Kindern begeben. Drei Grundschulen wurden laut CNN schwer von dem Tornado beschädigt. Dem Sender zufolge werden noch 24 Drittklässler der Plaza Towers Elementary School vermisst.

Die ganze Stadt arbeitet daran, einen Überblick über die Schäden und Vermissten zu bekommen. Der Lokalsender KFOR berichtet nicht nur live, sondern blendet auch Suchmeldungen ein. Etwa: "Wenn Sie die neunjährige Kaley Hawkins oder ihre Eltern kennen, sie ist im Healthplex Medical Center." Auf Facebook gibt es mehrere "Gesucht/Gefunden"-Gruppen. Anwohner können hier nach verlorenen Gegenständen fahnden. Manche posten Bilder von Vermissten. Andere bieten ihre Hilfe an oder suchen Unterstützung: "Kennt jemand jemanden, der uns helfen kann, eine Herde Pferde einzufangen", heißt es etwa auf der Seite. Es gibt auch eine Rubrik für verlorene und gefundene Haustiere.

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Moore: Luftbilder der Tornado-Katastrophe

Foto: Steve Gooch/ AP/dpa

Gemeinsam mit Heimatschutzministerin Janet Napolitano sagte US-Präsident Obama Gouverneurin Mary Fallin "jede nur mögliche Unterstützung" zu. Die 55.000-Einwohner-Stadt Moore ist momentan ohne Strom, ohne Wasser, ohne Telefon.

Fernsehaufnahmen zeigen nur noch die Überbleibsel einer Ortschaft: Dachschindeln, Holzsplitter, Autowracks. Häuser, die sich durch den Tornado überschlagen haben und nun kopfüber auf der Straße liegen. An manchen Orten brennt es. Ganze Viertel sind nach Angaben des Oklahoma City Police Departments "völlig eingeebnet".

Augenzeugen beschreiben die Szene auf CNN als "Kriegsgebiet". "Ich habe sehr viel Glück gehabt", sagte ein Anwohner dem Sender. Pferde, Autos und Häuserteile seien durch die Luft geflogen. "Es ist unbeschreiblich."

"Schlimmer als der dritte Mai", titelte die Lokalzeitung "The Oklahoman" nach der Katastrophe. Bereits im Jahr 1999 war Moore von einem zerstörerischen Wirbelsturm heimgesucht worden. Wie viel schlimmer wird sich bei Sonnenaufgang zeigen.

gam/AP/AFP