USA Wirbelsturm vernichtet Vorort von Oklahoma City - Dutzende Tote

Ein schwerer Tornado ist über einen Vorort von Oklahoma City hinweggefegt und hat verheerende Schäden angerichtet. Die Stadt Moore wurde dem Erdboden gleichgemacht, in der Schneise des Sturms könnten sich Tausende Menschen befunden haben. Dutzende starben.

REUTERS

Hamburg - Moore ist vernichtet. Das Zentrum der Stadt sieht aus, als sei eine Bombe eingeschlagen, Autowracks türmen sich zu Trümmerbergen auf. Ganze Straßenzüge sind ausradiert, Bäume ragen nur noch als Stummel aus dem Boden. Hunderte Rettungskräfte durchsuchen zerstörte Wohnhäuser und Schulen nach Überlebenden.

Über Moore, einem südlichen Vorort von Oklahoma City im Mittleren Westen der USA, ist am Montag ein Wirbelsturm von riesigem Ausmaß hinweg getobt: 800 Meter breit soll der Tornado gewesen sein, er erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 320 Stundenkilometern - nur ein Prozent aller Wirbelstürme hat eine solche Wucht.

Die Intensität von Tornados wird nach der sogenannten Fujita- oder F-Skala bemessen, von F0 (schwach) bis F5 (verheerend). Der Tornado von Moore wurde vorläufig als F4 eingestuft.

Der Tornado über Moore: "Als fahre ein Güterzug über deinen Kopf"
REUTERS

Der Tornado über Moore: "Als fahre ein Güterzug über deinen Kopf"

Der Tornado traf die 50.000-Einwohner-Stadt Moore am Montagnachmittag, einem normalen Werktag in den USA, Kinder waren um die Zeit noch in der Schule. Der Wirbelsturm fegte Holzhäuser von ihren Betonfundamenten, wirbelte Pferde durch die Luft, zerquetschte Fahrzeuge wie Bierdosen und schleuderte sie in Gebäude. "Wenn der Twister über dich hinwegzieht, hast du das Gefühl, ein Güterzug fahre über deinen Kopf", sagt eine Anwohnerin dem TV-Sender CNN.

Der US-Sender WMCTV zeigt auf seiner Website Zeitraffer-Aufnahmen, die einen Eindruck von der Stärke des Wirbelsturms vermitteln.

Stunden nach Abzug des Tornados gaben die Behörden erste Opferzahlen heraus. 51 Menschen starben, darunter viele Kinder, die Zahl dürfte noch steigen. In den Krankenhäusern von Oklahoma City wurden bislang 120 Menschen aufgenommen, 70 davon sind Kinder.

Suche nach verschütteten Schulkindern

In Moore organisierten sich schnell Rettungskräfte, auch Anwohner versuchten, Soforthilfe zu leisten. Für besondere Erschütterung sorgte die Nachricht, dass eine Grundschule einstürzte und die Kinder unter sich begrub. Dort beteiligten sich Eltern an den Rettungsmaßnahmen. Zuerst gruben die Retter mit bloßen Händen, bei Anbruch der Nacht war schweres Gerät herangeschafft worden. Allerdings zögerte man zunächst damit, es einzusetzen: Zu groß ist die Gefahr für lebend Verschüttete.

Fotostrecke

25  Bilder
Oklahoma: Riesenwirbelsturm über Moore
James Rushing, Vater eines Jungen, der die Plaza-Towers-Grundschule besuchte, hatte im Radio einen Bericht von dem nahenden Tornado gehört und rannte zur Schule. "Zwei Minuten, nachdem ich dort ankam, stürzte das Gebäude ein", sagte Rushing Reportern.

"Wir haben uns im Klassenzimmer auf den Boden gehockt und unsere Köpfe mit den Armen geschützt", sagte ein kleiner Junge aus der Plaza-Towers-Schule einem CNN-Reporter. "Uns allen war heiß, weil wir so dicht beieinander hockten." Der Junge und seine Klassenkameraden hatten Glück, sie überlebten den Einsturz ihres Schulgebäudes.

Die Rettungsarbeiten in Moore werden nach Berichten von medizinischem Personal auch dadurch erschwert, dass Zufahrtsstraßen noch von Trümmern blockiert sind.

Präsident Obama sagt Hilfe zu

Präsident Obama hat inzwischen mit der Gouverneurin von Oklahoma, Mary Fallin, telefoniert und ihr Hilfe zugesagt. In einer Mitteilung des Weißen Hauses heißt es, der Präsident habe Einsatzkräfte und Geldmittel zugesagt. Ein erstes Rettungsteam sei schon nach Oklahoma entsandt worden. Er und seine Frau Michelle beteten für die Opfer.

Der größte Energieversorger der Region, Oklahoma Gas & Electric Co, versucht das Ausmaß der Schäden zu erfassen. 38.000 Kunden seien momentan ohne Strom, sagte ein Firmensprecher.

Der Wirbelsturm hinterließ in einigen Siedlungen von Moore nur leergefegte Betonfundamente und zerhäckseltes Holz. Keller hätten den Menschen Schutz bieten können, doch beim Hausbau in Oklahoma leiste sich kaum jemand einen Keller, hieß es in einem TV-Beitrag von CNN: Der Boden sei so steinig, dass es schlicht zu kostspielig wäre, Keller ausheben zu lassen.

Die Gegend um Oklahoma City, die es getroffen hat, wird "Tornado Alley" genannt: Moore war bereits 1999 von einem Tornado der verheerendsten Kategorie (F5) verwüstet worden. Damals waren Rekordgeschwindigkeiten von bis zu 486 Stundenkilometern gemessen worden. In dem Bezirk, in dem Moore liegt, hatte es elf Todesopfer geben. Insgesamt kamen damals 41 Menschen ums Leben.

Am Sonntag waren durch Tornados im Bundesstaat Oklahoma bereits mindestens zwei Menschen getötet und mehr als 20 verletzt worden. Die Tornados wurden durch ein großes Sturmgebiet verursacht, das über die Region zog. Erst am Donnerstag waren zehn Tornados über den US-Bundesstaat Texas hinweggefegt. Dabei wurden sechs Menschen getötet und Dutzende verletzt. Zahlreiche Häuser und Stromleitungen wurden beschädigt.

pad/AFP/AP

Mehr zum Thema


insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kaon 21.05.2013
1. zu beweisen
Je mehr CO2 ppm , desto mehr (und grössere) Stürme ? kausal oder lediglich korreliert ?
ihawk 21.05.2013
2. Klima Wechsel
So grausam es klingt, evt. ist das ein Signal das die USA gebraucht hat, um zu begreifen, daß sich das Klima der Erde ändert und Energieverbrauch endlich ist. 2600 Flugzeuge zu jeder Minute des Tages über den USA können nicht ohne Wirkung auf das Klima sein, auch wenn diese Thema bisher unterdrückt wurde.
alwoods 21.05.2013
3. Lokale Nachrichten
http://www.nbcnews.com/video/nbcnews.com/51943719/
raber 21.05.2013
4. bleibt uns erspart
zum Glück haben wir keine vergleichbaren Tornados.
morkvamork 21.05.2013
5. es ist gut..
dass, noch niemand seine einlassungen der öffentlichkeit kund getan hat. lasst die angebliche umweltvermutzung in usa beiseite, die ist nicht schlimmer als in europa und die bauweise hier hat auch ihren grund. das haus ist nämlich ratzfatz wieder aufgebaut. geht schneller als ein dachstuhl in deutschland. auf jeden fall, einen f4 oder f5 haben wir noch nicht erlebt. aber ein f2 genügt, der ist erschreckend genug. da legen sogar die tornadoerfahrenen amis die ohren an und machen sich klein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.