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Infusionsskandal an Mainzer Uniklinik: Tod aus dem Tropf

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Tote Babys an Mainzer Uniklinik Infusionen kamen verunreinigt auf die Station

Die Spurensuche im Skandal um drei tote Babys an der Mainzer Uniklinik hat ein erstes Ergebnisse gebracht. Inzwischen steht offenbar fest, dass die Infusionsbeutel mit der Nährlösung bereits keimbelastet auf der Kinder-Intensivstation ankamen. Die Klinik untersucht den Fall jetzt mit einer eigenen Expertengruppe.

Mainz - Die verunreinigten Infusionen, die zum Tod von drei Babys geführt haben, wurden offenbar schon infiziert auf die Kinder-Intensivstation der Mainzer Uniklinik geliefert. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Beutel, in denen sich die Nährlösung befand, mit den Keimen infiziert waren, teilte Gesundheitsstaatssekretär Michael Ebling (SPD) im Sozialausschuss des Landtages mit.

Es könne daher davon ausgegangen werden, dass die Infusionen entweder in der Krankenhausapotheke, wo die Nährlösungen zusammengemischt werden, oder beim Hersteller der Lösungen verunreinigt wurden.

Ebling sagte, die Leitung der Uniklinik habe von Anfang vermutet, dass die Verunreinigung am ehesten in der Krankenhausapotheke stattgefunden habe. Sichere Erkenntnisse darüber gebe es allerdings noch nicht.

Die am Mischvorgang beteiligten Mitarbeiter der Uniklinik hätten zwar Stuhlproben abgeben, sagte der Staatssekretär. Die Keime seien beim Abgleichen jedoch höchstwahrscheinlich nicht zu 100 Prozent einer Person zuzuordnen.

Noch ist unklar, ob tatsächlich die Keime den Tod der drei Babys verursacht haben. Frühestens am Freitag rechnen die Ermittler mit mikrobiologischen Ergebnissen.

Insgesamt hatten elf auf der Intensivstation betreute Kinder am vergangenen Freitag die mit Darmbakterien verunreinigte Nährlösung bekommen. Drei Babys, darunter zwei Frühchen, starben. Der Zustand von vier weiteren kleinen Patienten, die nach der Infusion Symptome einer Infektion zeigten, hat sich laut Pfeiffer weiter verbessert. Sie leiden zwar noch an ihrer Grunderkrankung, seien aber stabil.

Die Mainzer Uniklinik hat unterdessen eine externe Expertenkommission zur Hilfe bei der Ursachensuche bestellt. Der klinische Vorstand der Uniklinik, Norbert Pfeiffer, erklärte, die externen Experten beobachteten die Abläufe in der Uniklinik bei der Herstellung und Verabreichung der Infusionen, um zu sehen, ob alle Hygienevorschriften eingehalten würden.

Zu den Experten gehören Vertreter des Gesundheitsamtes, des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung, des Wissenschaftsministeriums und Experten aus dem In- und Ausland für Krankenhaushygiene und Krankenhausapotheken. "Wir versprechen uns dadurch, wieder Sicherheit und Vertrauen in unsere Prozesse zu gewinnen", sagte Pfeiffer. Die ermittelnde Mainzer Staatsanwaltschaft habe zudem eigene Sachverständige einbestellt.

kng/ddp/dpa
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