Lörrach - Amoklauf in Lörrach: Die Täterin betrat nach Polizeiangaben am Sonntag kurz nach 18 Uhr das St. Elisabethen-Krankenhaus in der baden-württembergischen Stadt und schoss um sich. Sie traf einen Pfleger tödlich und verletzte einen Polizisten schwer, der sich privat in dem Gebäude aufhielt. Er schwebt mittlerweile nicht mehr in Lebensgefahr. Zuvor hatte sie bereits ihre Familie getötet: Mit einer kleinkalibrigen Faustfeuerwaffe erschoss die Frau nach Angaben der Staatsanwaltschaft ihren früheren Lebensgefährten und den gemeinsamen fünfjährigen Sohn.
Nach Angaben eines Augenzeugen lief die Frau dann gezielt in die gynäkologische Abteilung und erschoss dort einen Pfleger. Sie sei in der Klinik "schnurstracks ... auf die Gynäkologie" gelaufen, berichtete der Mann dem Nachrichtensender n-tv.
Die Frau habe das Feuer auf die alarmierten Einsatzkräfte eröffnet, ehe sie dann selbst von den Beamten erschossen wurde, teilte das Landeskriminalamt Stuttgart mit.
Vor der Schießerei in der Klinik war die Täterin aus einem benachbarten Mehrfamilienhaus in der Markus-Pflüger-Straße gelaufen, in dem es zu einer Explosion kam. Es habe dort einen "Krach und richtigen Bums" gegeben, als sei irgendetwas in die Luft geflogen, berichtete der Augenzeuge. Anschließend sei die "rote Frau mit dunkler Hose" aus dem Gebäude gerannt, habe eine Waffe geladen und auf dem Weg ins Krankenhaus einen Menschen angeschossen.
Dramatische Szenen im Mehrfamilienhaus
Ein Nachbarjunge berichtete im Sender Radio Regenbogen von dramatischen Szenen in dem Mehrfamilienhaus. Dort habe es im Eingang des Erdgeschosses gebrannt. Bewohner hätten "Hilfe, Hilfe, Hilfe" gerufen. Das ganze Treppenhaus sei voller Rauch gewesen. Minutenlang seien Schüsse gehört worden.
Die Feuerwehr konnte den Brand deshalb zunächst nicht löschen, sagte ein Polizeisprecher. Nachdem die Feuerwehr den Hausbrand gelöscht hatte, fand sie in dem Gebäude die beiden Getöteten.
Das katholische Elisabethen-Krankenhaus in Lörrach verfügt unter anderem über ein Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, ein Zentrum für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie ein Säuglingszentrum mit Kinder-Intensivstation. Außerdem gibt es dort seit März ein Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Baden-Württemberg war vor eineinhalb Jahren vom Amoklauf eines Schülers in Winnenden erschüttert worden. Tim K. hatte dabei 15 Menschen und schließlich sich selbst getötet. Am Donnerstag begann in Stuttgart der Prozess gegen den Vater von K., weil die Tatwaffe diesem gehörte. Wie der Polizeisprecher sagte, kamen bei dem Amoklauf am Sonntagabend die nach der Tat von Winnenden überarbeiteten Einsatzpläne der Polizei zum Tragen. So seien binnen kürzester Zeit alle verfügbaren Kräfte zum Krankenhaus geschickt worden.
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Suche nach den Spuren: Nach dem Amoklauf mir vier Toten rätseln die Ermittler über das Motiv der 41-jährigen Täterin.
Ausgangsort des Amoklaufs war Polizeiangaben zufolge eine Wohnung in der Nähe des St. Elisabethen-Krankenhauses. Dort kam es gegen 18 Uhr zu einer Explosion und einem anschließenden Brand, außerdem fielen mehrere Schüsse.
Die alarmierte Feuerwehr entdeckte in der Wohnung den toten Ex-Partner sowie den toten fünfjährigen Sohn der Täterin.
Die Einsatzkräfte der Feuerwehr sahen laut Polizei die Amokläuferin mit einer Waffe aus der Wohnung laufen.
Die Frau rannte demnach in das benachbarte katholische Elisabethen-Krankenhaus und schoss dort um sich.
Dabei erstach sie einen Pfleger und verletzte einen Polizisten schwer. Der Beamte erlitt einen Kniedurchschuss.
Als die Amokläuferin weiter um sich schoss, töteten Beamte die Frau.
Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste lösten Großalarm aus. Hunderte Helfer aus ganz Südbaden eilten nach Lörrach.
Ein Sprecher des Rettungsdienstes sagte, Patienten sowie Feuerwehrleute müssten psychologisch betreut werden. Sie seien nach dem Amoklauf traumatisiert.
Erst Stunden nach den ersten Schüssen beruhigte sich die Lage.
Die Feuerwehr brauchte knapp zwei Stunden, bis sie das Feuer in dem Wohnhaus unter Kontrolle hatte.