Tote und Verletzte Schweres Erdbeben erschüttert Nordosten Japans

30 Sekunden dauerten die Stöße, doch sie hatten verheerende Folgen: Bei einem schweren Erdbeben im Nordosten Japans sind mindestens drei Menschen ums Leben gekommen, Dutzende wurden verletzt. Erdrutsche verschütteten Straßen, bei einem Atomkraftwerk trat radioaktives Wasser aus.


Hamburg/Tokio - Der erste Erdstoß kam um 8.43 Uhr japanischer Ortszeit (01.43 Uhr MESZ) - und für 30 Sekunden hörte der Boden nicht zu Schwanken auf: Bei einem starken Erdbeben der Stärke 7,2 sind am Samstag im Nordosten Japans mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen, knapp 200 wurden verletzt. Elf weitere Menschen galten auch am späten Abend (Ortszeit) noch als vermisst, wie japanische Medien unter Berufung auf Behörden in den besonders betroffenen Provinzen Iwate und Miyagi meldeten.

Nach dem Beben: Hilfskräfte in Nordjapan beim Einsatz
AP/ Kyodo News

Nach dem Beben: Hilfskräfte in Nordjapan beim Einsatz

In einem Atomkraftwerk in Fukushima trat nach dem Beben eine kleine Menge radioaktives Wasser aus. Die Betreibergesellschaft erklärte, 14,8 Liter Wasser seien aus einem Becken ausgetreten, in dem radioaktive Geräte gelagert wurden. Es gehe jedoch keine Gefahr für die Bevölkerung aus. "Die Strahlung des Wassers liegt weit unter dem Level, das möglicherweise die Umwelt in Mitleidenschaft ziehen könnte", sagte ein Sprecher des Werkes. Das Atomkraftwerk laufe weiter.

Das Zentrum des Bebens lag in der Provinz Iwate in rund acht Kilometer Tiefe. In fast 30.000 Haushalten fiel der Strom aus, etwa 3000 Haushalte waren vorübergehend ohne Wasserversorgung. Ein 60-Jähriger in Iwate starb, als er vor Schreck auf die Straße lief und von einem Auto erfasst wurde. Ein 48-Jähriger wurde von herabstürzenden Felsen getroffen und starb im Krankenhaus. In Fukushima wurde ein 55-jähriger Mann beim Angeln von einem Erdrutsch ins Meer gerissen und ertrank.

In Kindergärten in Iwate verletzten sich acht Kinder an zerborstenen Fensterscheiben. Auch an anderen Orten wurden Bewohner mit Knochenbrüchen, Verbrennungen und Schnittverletzungen behandelt. 25 Insassen eines Busses erlitten laut Medienberichten durch die Schwankungen meist leichte Verletzungen. Die Behörden forderten Hilfe des Militärs an. Premierminister Yasuo Fukuda räumte den Rettungsmaßnahmen oberste Priorität ein.

An mehreren Orten gingen Erdrutsche nieder, Straßen wurden verschüttet, Brücken stürzten ein, Autobahnen waren unpassierbar. Die Eisenbahngesellschaft stellte in der Region Tohoku vorübergehend den Betrieb des Hochgeschwindigkeitszuges Shinkansen ein. Auch andere Eisenbahnstrecken waren unterbrochen.

Ein Behördensprecher in einer der am härtesten getroffenen Städte, Kurihara, sagte, eine genaue Schadensfeststellung sei wegen zerstörter Straßen nur schwer möglich. Die Erschütterung war auch in Hauptstadt Tokio zu spüren, die etwa 350 Kilometer vom Zentrum des Bebens entfernt liegt.

Die japanische Erdbebenwarte registrierte das Erdbeben zunächst mit der Stärke 7,0, korrigierte dies später aber auf 7,2. Tsunami-Warnung wurde nicht gegeben.

Japan ist eine der am meisten erdbebengefährdeten Regionen der Welt. Im vergangenen Juli kamen bei einem Erdbeben der Stärke 6,8 in derselben Region elf Menschen ums Leben. Das Epizentrum lag vor einem Jahr in Niigata, südwestlich von dem des Bebens am Samstag. Damals wurde auch ein Atomreaktor beschädigt. 1995 kamen bei einem Erdbeben in Kobe 6400 Menschen ums Leben.

flo/tno/AP/AFP/dpa



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