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Toter am Flughafen Die letzte Reise des Willi J.

Die Leiche hing in einem Rollstuhl, in einen Mantel gehüllt, eine Sonnenbrille im Gesicht: Zwei Frauen sind in Liverpool gefasst worden, als sie einen Toten für einen Flug nach Berlin einzuchecken versuchten. Sie beteuern, Willi J. müsse kurz zuvor gestorben sein - ohne dass sie es bemerkt hätten.

London - Sie sagten, es sei alles in Ordnung mit Willi. Sie sagten, er schliefe immer so und man solle sich, bitte, keine Sorgen machen. Willi trug einen weiten Mantel, eine Sonnenbrille in seinem schmalen Gesicht, er sollte sein: ein alter Mann im Rollstuhl, der bloß ein Nickerchen macht, unterwegs mit Frau, Tochter und Enkelkindern, auf der Reise nach Berlin. Doch Curt Willi J., 91, war tot.

Die britischen Behörden gehen nun dem Verdacht nach, dass Willis Witwe Gitta J., 61, und Tochter Anke A., 41, versucht haben, den verstorbenen Alzheimer-Patienten für den Flug nach Deutschland einzuchecken. Über die Vorgänge am John-Lennon-Flughafen in Liverpool, die sich bereits am Samstag zutrugen und am Dienstag bekannt wurden, gibt es äußerst widersprüchliche Darstellungen. Die beiden Tatverdächtigen befinden sich inzwischen gegen Kaution auf freiem Fuß.

Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler war der 91-Jährige, der nach Angaben seiner Tochter selbst Pilot war, bereits mehr als 24 Stunden tot, als er in den Flughafen geschoben wurde. Die Frauen hätten sich die Überführungskosten für die Leiche sparen wollen, vermutet die Polizei.

"Das ist lächerlich"

Die beiden Beschuldigten versicherten jedoch, sie seien davon ausgegangen, dass ihr Willi nur schlafe. Die Frauen aus Oldham bei Manchester wollten gemeinsam mit dem alten Mann nach Deutschland fliegen. Er habe sich gewünscht, in seiner Heimat zu sterben, sagten sie.

Flughafenmitarbeiter halfen, Willi J. aus dem Sammeltaxi in einen Rollstuhl zu heben. Bei den Kontrollen schöpften die Mitarbeiter der Sicherheitsdienste dann aber Verdacht und fühlten den Puls des ungewöhnlich ruhig erscheinenden Reisenden. Nachdem der Tod des 91-Jährigen festgestellt worden war, nahm die Polizei die Frauen vorerst fest.

Diese bestritten jede Absicht, den Mann tot auszufliegen, vehement. "Glauben die, wir würden 24 Stunden lang einen Toten herumtransportieren?", sagte die 41-jährige Tochter der BBC. "Das ist lächerlich - er bewegte sich und atmete."

jdl
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