Toter Diktator Rumänen exhumieren Ceausescu-Leiche

Die Nachkommen des Diktators wollen Klarheit: In Rumänien sind die mutmaßlichen Leichen von Nicolae Ceausescu und dessen Frau exhumiert worden. Ein DNA-Test soll nun zeigen, ob es sich wirklich um die sterblichen Überreste der beiden handelt.

Ceausescu-Grab: Identität der Toten wird überprüft
REUTERS

Ceausescu-Grab: Identität der Toten wird überprüft


Bukarest - In der rumänischen Hauptstadt Bukarest sind am Mittwoch die sterblichen Überreste des früheren Diktators Nicolae Ceausescu und dessen Frau Elena ausgegraben worden. Im Beisein des Schwiegersohnes, Mircea Opran, wurden die Särge auf dem Militärfriedhof Ghencea geöffnet. Mittels DNA-Tests soll herausgefunden werden, ob es sich bei den Toten wirklich um die Ceausescus handelt. Opran ist der Mann der verstorbenen Tochter des Paares, Zoe. Ein Gericht hatte die Exhumierung schon 2008 genehmigt.

Auf dem Friedhof sagte Opran vor Journalisten, er erkenne die Jacke seines Schwiegervaters wieder, die er während seiner Hinrichtung getragen habe. "Sie hat Löcher, ebenso wie die Hose", sagte er. Diese seien durch die Erschießung entstanden. Opran sagte dem rumänischen Sender "Realitatea TV", dass in dem Sarg nur noch Knochen und Kleider übrig geblieben seien. Er habe auch beobachtet, dass die bekannte Lammfellmütze des Diktators dabei gewesen sei. Die Mütze hatte der damals 71-Jährige bei seiner Hinrichtung getragen.

"Ich neige fast dazu, zu glauben, dass das hier meine Schwiegereltern sind", sagte Opran. "Aber ich kann nicht hundertprozentig sicher sein, bevor die DNA-Tests gemacht wurden." Mit dem Ergebnis wird erst in einigen Monaten gerechnet.

Gefasst, zum Tode verurteilt und erschossen

Ceausescu war im Winter 1989 durch einen Volksaufstand gestürzt worden. Am 21. und 22. Dezember 1989 waren in Bukarest 48 Menschen gestorben, als die rumänische Armee und der Geheimdienst Securitate das Feuer auf friedliche Demonstranten eröffneten. Tausende Menschen wurden verletzt, festgenommen und gefoltert. Ceausescu und seine Frau Elena versuchten am 22. Dezember zu fliehen, wurden aber gefasst, zum Tode verurteilt und am 25. Dezember erschossen.

Ceausescus drei Kinder, von denen nur noch Sohn Valentin, 62, lebt, hatten von jeher Zweifel an der "Echtheit" der Gräber. Zur Beerdigung vom 25. Dezember 1989 gibt es keine Dokumente. Auch fehle ein schriftlicher Befehl dazu im Militärarchiv, so Valentin Ceausescu. Die Beisetzung der Ceausescus während noch tobender Straßenkämpfe hatte die Armee nach bisherigen Erkenntnissen in aller Eile und unter Geheimhaltung organisiert.

Die Behörden hatten damals erklärt, die Ceausescus seien auf dem Ghencea-Friedhof begraben worden. Nach Angaben von Zeugen wurden die beiden in einer nächtlichen Aktion unter Kreuzen mit falschen Namen begraben, weil die Behörden Grabschändungen fürchteten.

wit/AFP/dpa



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