Toter King of Pop Jackson-Familie verlangt Aufschluss über Rolle des Leibarztes

Wie starb Michael Jackson? Bei der Suche nach der Todesursache des Popstars nimmt sein Leibarzt eine Schlüsselrolle ein. Die Familie des Sängers verlangt vom Konzertveranstalter AEG nun Aufschlüsse darüber, wer die Betreuung Jacksons durch den Mediziner anordnete.


Los Angeles - Sein Name ist plötzlich in aller Munde: Dr. Conrad Murray, Leibarzt und Vertrauter Michael Jacksons, wird im Zusammenhang mit dem plötzlichen Tod des weltberühmten Popstars von der Polizei befragt. Die Familie des Sängers verlangt nun Aufschluss darüber, wer den Mediziner eingestellt hat und welche Rolle er genau in Jacksons Leben spielte.

Es war Murray, der Jackson während der letzten Monate offenbar nicht nur Medikamente verordnete, sondern auch Wiederbelebungsversuche unternahm, als der Sänger am Donnerstagmittag in seiner Villa in Westwood, Los Angeles, kollabierte.

Kurz nach Jacksons Tod, der am Donnerstag um 14.26 Uhr Ortszeit im Universitätsklinikum von Los Angeles festgestellt wurde, fehlte von Murray zunächst jede Spur. Sein weißer BMW, der vor Jacksons Villa parkte, wurde von der Polizei sichergestellt - man wolle den Wagen nach Spuren von Medikamenten untersuchen, hieß es.

Mittlerweile hat sich Murray der Polizei gestellt. Er gelte nicht als verdächtig und habe sich bislang "nicht unkooperativ" gezeigt, sagte Polizeisprecher Charlie Beck. "Wir denken, dass er uns dabei unterstützen wird, in diesem Fall anhand der Fakten zur Wahrheit zu gelangen."

Bei Murray soll es sich um einen Kardiologen handeln, der in Kalifornien, Nevada und Texas praktizierte und seit Jahren mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Seine Praxis in Nevada war in Rechtsstreitigkeiten verwickelt und zu Zahlungen von 400.000 Dollar verurteilt worden. Mindestens zwei Steuerverfahren sollen noch anhängig sein.

Die Polizei wollte sich weder zu der Frage äußern, wie lange der Arzt bei Jackson war, bevor die Notärzte in der Villa eintrafen, noch ob Murray, wie es in Medienberichten hieß, Jackson Medikamente gegeben hatte. Der Internet-Dienst "TMZ" hatte behauptet, Michael Jackson sei Lidocain verabreicht worden, das stabilisierend auf den Herzrhythmus wirkt.

Michael Jacksons Leichnam wurde nach der Obduktion mittlerweile freigegeben. Seine Familie hat sich nun nach Encino im Norden von Los Angeles zurückgezogen, um zu trauern und die Bestattungsmodalitäten zu klären.

Zum Tod von Michael Jackson
Sony BMG/Reuters

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Ein Vertrauter des Jackson-Clans teilte der Nachrichtenagentur AP mit, dass unter den Angehörigen auch die Frage nach Murrays Rolle bei Jacksons Tod immer lauter wird.

Insbesondere wolle die Familie vom Konzertveranstalter AEG, der Jacksons für Juli geplante Comeback-Auftritte in London organisierte, wissen, wer Conrad Murray engagiert habe - und welche Rolle Murray und andere "Berater" in Jackson Leben spielten.

"Wir als Unternehmen hätten es lieber gesehen, wenn kein Arzt als Vollzeitkraft eingestellt worden wäre", sagte der Chef von AEG Live, Randy Phillips. "Es wäre für uns hinsichtlich der Hotel- und Reisekosten günstiger gewesen, aber Michael bestand darauf, dass der Arzt eingestellt wurde. Er sagte, er verstehe sich ausgezeichnet mit ihm."

Jackson, so Phillips, habe zu ihm gesagt: "Bei den Konzerten dreht sich alles um mich. Ich bin eine Maschine, und wir müssen dafür sorgen, dass diese Maschine gut geschmiert ist." Jackson habe sich vor Vertragsabschluss einer Reihe von ärztlichen Untersuchungen unterzogen, die insgesamt fünf Stunden gedauert hätten, was aus versicherungstechnischen Gründen erforderlich gewesen sei.

Die Familie Jacksons hat sich auch der drei Kinder des Sängers angenommen. Von den Beratern des toten Sängers, so der Vertraute des Jackson-Clans gegenüber AP, verlange man nun Klarheit über finanzielle Angelegenheiten, auch über ein mögliches Testament.

Zu seiner Mutter Katherine habe Michael Jackson zuletzt regelmäßig Kontakt gehabt, auch seinen Vater habe er nicht lange vor seinem Tod noch getroffen. Zwischen dem Sänger und seinen acht Geschwistern habe es zwar keinen regelmäßigen Austausch gegeben, von einer Entfremdung könne jedoch nicht die Rede sein.

pad/Reuters/AP

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