Toter King of Pop Mitschnitt von Notruf aus Michael Jacksons Villa veröffentlicht

"Er atmet nicht, er ist nicht bei Bewusstsein." Mit diesen Worten wurde aus der Villa von Michael Jackson der Notarzt angefordert. Die Spekulationen über die Umstände seines Todes mehren sich. Die Obduktion ergab bislang keine genauen Ergebnisse - die sind erst in mehreren Wochen zu erwarten.


Los Angeles - Der Anrufer ist nervös, seine Angaben sind knapp, wiederholen sich. "Wir haben einen Gentleman hier, der nicht mehr atmet, Sir", sagt der Unbekannte zu dem Mitarbeiter in der Notrufzentrale. "Er liegt auf dem Bett, er ist nicht bei Bewusstsein."

Bei dem Bewusstlosen handelte es sich um den berühmtesten Popstar der Welt - Michael Jackson. Die Feuerwehr von Los Angeles veröffentlichte am Freitag einen Mitschnitt des Notrufs, der am Donnerstagmittag Ortszeit aus Jacksons Villa in Holmby Hills im Stadtteil Westwood erfolgte. Die Identität des Anrufers wurde nicht bekanntgegeben.

Mit ruhiger Stimme instruiert der Mann in der Zentrale seinen Gesprächspartner anschließend, Jackson auf den Fußboden zu legen. Der Anrufer sagt, Jacksons persönlicher Arzt sei bei ihm, man habe bereits Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet, doch: "Er reagiert nicht, Sir. Er reagiert auf gar nichts."

Michael Jackson ist tot - und das völlig unerwartete Ableben des erst 50-Jährigen gibt aller Welt Rätsel auf.

Der Arzt, der zuletzt bei Jackson gewesen sein soll, sei am Donnerstag und Freitag kurz befragt worden, teilten die Behörden mit. Eine Polizeisprecherin betonte, dass der Kardiologe nicht als Verdächtiger gelte - doch sein Wagen sei beschlagnahmt worden, weil sich in dem BMW "Medikamente und andere Beweismittel befinden könnten, die den Medizinern helfen könnten, die Todesursache zu bestimmen."

Jackson war am Donnerstag um 14.26 Uhr Ortszeit für tot erklärt worden, nachdem ein Ärzteteam im UCLA Medical Center eine Stunde lang versucht hatte, ihn wiederzubeleben. In welchem Zustand die Notärzte den Sänger zuvor in seiner Villa vorgefunden hatten, ist Gegenstand von Spekulationen.

So berichtet der Internetdienst "TMZ", dass Jackson bereits tot war, als die Notärzte eintrafen. Sie hätten Jackson für tot erklären wollen, doch der "persönliche Arzt" Jacksons habe sich vehement dagegen ausgesprochen. Jackson sei von diesem Arzt zuvor mit Lidocain behandelt worden, ein Medikament, das stabilisierend auf den Herzrhythmus wirkt. Eine Bestätigung des "TMZ"-Berichts von offizieller Seite gibt es nicht.

Andere US-Medien berichten über einen möglicherweise langjährigen Medikamentenmissbrauch Jacksons. Der US-Zeitschrift "People" zufolge schritten Familienangehörige schon vor drei Jahren ein, um den Star von einem gefährlichen Tablettenkonsum abzubringen. "Die Familie glaubte, dass Michael süchtig war", zitierte die Zeitschrift eine Quelle aus Jacksons Umfeld. Die Geschwister hätten versucht, auf Jackson einzuwirken, der habe jedoch alle Bedenken zurückgewiesen.

Der Sänger habe zuletzt täglich eine Spritze mit dem morphiumähnlichen Medikament Demerol erhalten, berichtete "TMZ" unter Berufung auf ein "enges Mitglied" der Jackson-Familie. Am Donnerstag, kurz vor seinem Tod, sei ihm ebenfalls dieses Mittel verabreicht worden.

Zum Tod von Michael Jackson
Sony BMG/Reuters

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Zudem soll sein Vater Joe Jackson kürzlich versucht haben, den Megastar in einer Entzugsklinik im kalifornischen Palmdale unterzubringen. Der Vater gehe davon aus, dass der Sänger von Morphium und anderen verschreibungspflichtigen Drogen abhängig war, hieß es. Angeblich machte der Star trotz der Vorbereitungen auf ein Comeback in der letzten Zeit einen "lethargischen und erschöpften" Eindruck.

Brian Oxman, einer der Anwälte der Jackson-Familie, schloss eine versehentlich eingenommene tödliche Dosis verschreibungspflichtiger Medikamente nicht aus. Oxman sagte zu dem Verdacht, der Tod könne dadurch ausgelöst worden sein: "Dies war etwas, was ich befürchtete und etwas, vor dem ich gewarnt habe." Der Sänger habe zuletzt Arzneien wegen früherer Verletzungen, darunter ein Rücken- und ein Beinbruch, eingenommen, während er für sein geplantes Konzert-Comeback probte.

Die gerichtsmedizinische Untersuchung des Leichnams hat bislang keine genauen Ergebnisse geliefert. In der Nacht auf Samstag teilte ein Sprecher mit, dass noch "weitere Tests" notwendig seien. Mit Ergebnissen sei aus diesem Grund erst in vier bis sechs Wochen zu rechnen. Es gäbe aber keine Hinweise auf äußere Verletzungen oder eine willkürliche Herbeiführung des Todes, so der Sprecher.

Michael Jackson hatte sich zuletzt in Los Angeles auf ein großes Comeback vorbereitet: Für den 13. Juli war in London das erste von insgesamt 50 Konzerten geplant. Die O2-Arena, eine riesige Sport- und Konzerthalle in der britischen Hauptstadt, war ausverkauft.

Für die Konzerte soll Jackson täglich stundenlang mit Tänzern geprobt haben.

pad/hut/AP/dpa/Reuters

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