Totgeglaubter Kanufahrer Oh, wie schön ist Panama!

Es klang wie ein Wunder: Ein Kanufahrer verschwindet, wird für tot erklärt und taucht nach fünf Jahren plötzlich wieder auf, angeblich ohne Erinnerung. Nun bringt ein Foto den Briten in die Bredouille: Es zeigt ihn offenbar 2006 mit seiner Frau in Panama - sie hatte die Lebensversicherung kassiert.

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Hamburg - Ein Traumstrand, Palmen, türkisblaues Wasser, ein Paar Arm in Arm am Meer - die Zukunft, die ein Blick auf die Website movetopanama.com verheißt, scheint rosig. "Ziehen Sie nach Panama!", fordert das Unternehmen den Besucher auf und preist Gastfreundlichkeit, niedrige Lebenshaltungskosten, Sicherheit und eine wunderbare Natur an.

John Darwin: Rosige Zukunft in Panama?
REUTERS/ Cleveland Police

John Darwin: Rosige Zukunft in Panama?

Dem verlockenden Ruf von Sonnenschein und unbeschwertem Leben sind offenbar auch die Darwins aus dem englischen Küstenstädtchen Hartlepool gefolgt. Durchaus nachvollziehbar, wäre da nicht eine Kleinigkeit: Die britischen Behörden hatten John Darwin für tot gehalten - bis vor wenigen Tagen.

Am Samstagmorgen war der 57-Jährige in eine Polizeistation in London marschiert, hatte behauptet, an Gedächtnisverlust zu leiden, und den verdutzten Beamten gesagt: "Ich glaube, ich bin eine vermisst gemeldete Person."

Und in der Tat: John Darwin war am 21. März 2002 an der ostenglischen Küste beim Kanufahren verschwunden. Die See war ungewöhnlich ruhig an diesem Tag. Wenig später fanden die Ermittler sein zerstörtes Boot, das Darwins Ehefrau Anne identifizierte. Ein halbes Jahr später ließ die Frau mitteilen, sie trauere um ihren Mann und habe große Probleme damit, dass sein Schicksal so unklar sei. Im April 2003 wurde John Darwin für tot erklärt. Für die Behörden schien damit der Fall erledigt.

Vor einigen Monaten allerdings ging ein Hinweis bei der Polizei ein, Darwin sei gesichtet worden - und zwar äußerst lebendig. Von wem der Tipp kam, wollte ein Sprecher der Polizei nicht sagen. Seither sind die Ermittler dem vermeintlich Toten wieder auf der Spur. Ob ihn das am Wochenende dazu trieb, sich zu stellen, ist unklar. Bislang können sich die Fahnder keinen Reim auf Darwins Verhalten machen.

Anne Darwin will ihren Mann seit dessen Verschwinden vor fünfeinhalb Jahren nicht gesehen haben. Die 55-Jährige hat vor wenigen Monaten allerdings ihr Haus und eine weitere Immobilie in England verkauft und ist nach Panama ausgewandert. Wie ein Foto auf der Website movetopanama.com nahelegt, ging sie nicht allein nach Mittelamerika: Das Bild, das inzwischen von der Seite entfernt wurde, zeigt Anne Darwin mit dem Chef der Auswanderungsorganisation - und offenbar ihrem Mann John. Aufgenommen wurde das Foto der Digitalanzeige zufolge am 14. Juli 2006.

"Ich wollte meinen Mann zurück"

Die Polizei geht nach Angaben eines Sprechers davon aus, dass das Bild echt ist. Um jede Manipulation ausschließen zu können, stünden aber noch Untersuchungen aus, sagte der Sprecher bei einer Pressekonferenz heute Mittag.

Doch-nicht-Witwe Darwin, die sich derzeit in Panama-Stadt aufhält und dort laut Polizei auf Möbel für ihr neues Heim wartet, kann sich die seltsamen Umstände von Verschwinden und Wiederauftauchen ihres Mannes nach eigenem Bekunden nicht erklären. "Ich bin genauso erstaunt wie jeder andere auch", zitiert die Zeitung "Daily Mail" sie. Die Summe aus der Lebensversicherung habe sie, "im guten Glauben, dass mein Ehemann tot ist", eingestrichen. Wie hoch die Summe war, sagte sie nicht. Sie wolle sie aber zurückgeben, wenn das denn nötig sei. "Es war nicht das Geld, das ich immer wollte - ich wollte meinen Mann zurück."

Was wirklich passiert ist und wo Darwin die vergangenen Jahre verbracht hat, müssen nun die Ermittler klären. John Darwin, der früher als Lehrer und zuletzt als Gefängniswärter arbeitete, wurde gestern Abend unter Betrugsverdacht festgenommen. Ergebnisse seiner Befragung stehen noch aus. Darwins Tante, eine Dame von 80 Jahren, meint aber zu wissen, dass etwas faul ist an der Sache. Schon das mysteriöse Verschwinden ihres Neffen beim Kanufahren sei seltsam: "Um ehrlich zu sein", sagte sie der "Daily Mail", "ich glaube nicht einmal, dass er damals nass geworden ist."



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