Entwicklung eines Transsexuellen Harrison - und die Frau, die er mal war

Harrison Massie wurde als Frau geboren, wollte aber ein Mann sein. Die Fotografin Sara Swaty hat seine Veränderung begleitet - Jahr für Jahr, Bild für Bild.

REUTERS

Von Pia Seitler


Harrison Massie nennt es seine "Reise". Als Frau geboren, entschloss Massie sich vor sieben Jahren, den langwierigen Übergang zum Männerkörper anzutreten. Eine Reise, während der er sich immer wieder Hormone spritzen musste - und die beinahe am Geld gescheitert wäre.

Sara Swaty, eine junge Fotografin, begleitete den Amerikaner während dieser Zeit. Kräftiger roter Bart, markante Wangenknochen, Gewichtszunahme: Jahr um Jahr und Bild für Bild hielt sie die körperlichen Veränderungen fest und veröffentlichte die Fotoserie nun bei der Nachrichtenagentur Reuters. "In meinen früheren Arbeiten hatte ich nie die Gelegenheit, eine so enge Verbindung mit einem Model einzugehen und seinen Weg von Anfang an zu dokumentieren", sagt Swaty, die Massie als Teenager in der High School kennenlernte.

Massie sagt, er wollte sich einfach nurmehr wie er selbst fühlen. Und: Er schäme sich nicht dafür, dass er einmal eine Frau war. "Es ist ein Teil von mir, so bin ich aufgewachsen." Als Harrison Massie mit der Hormontherapie begann, war er 23 Jahre alt. Es sollte nicht der einzige Wandel bleiben. Von seinem Mädchennamen spricht Harrison nur als seinem "deadname" - ein technischer Begriff für den geänderten Geburtsnamen nach einer Geschlechtsumwandlung.

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Transgender-Fotoserie: Harrisons Weg

Viele Transgender erfahren Ablehnung, Unverständnis und Skepsis von ihrem Umfeld. Massie hingegen hat immer nur Unterstützung von seinen Liebsten erfahren. "Harrison ist mein Seelenverwandter, mein Gefährte", sagt Massies Vater, ein pensionierter Lehrer in den Sechzigern. Die Veränderung seines Sohnes sei okay für ihn gewesen.

Massies Mutter hingegen tat sich schwer mit der Entscheidung ihres Sohnes. "Es war wie der Tod eines Kindes", sagt sie. Mit der Zeit habe sie gelernt, die Veränderung, die dieses Kind durchlief, anzunehmen, und erkannt, dass er immer noch der gleiche sei. Immer noch "ihr Baby und das Licht im Raum".

"Ich dachte immer, eine Operation wäre unerreichbar für mich"

Massies enge Freunde waren nicht wirklich überrascht, als sie von seiner Entscheidung hörten. "Wenn du einen Menschen, der transsexuell ist, von Herzen liebst und unterstützt, hat das Geschlecht wenig damit zu tun, was dir an ihm wichtig ist", sagt George Caputa, ein Freund von Massie.

Als Massie seine Hormontherapie begann, stand er vor einigen Herausforderungen. Er hatte Geldsorgen und Schwierigkeiten einen Job zu finden. Das Testosteron, das er für die Therapie brauchte und das insgesamt über 9000 Dollar kostete, bezahlte er aus eigener Tasche. Schon die Operation, bei der seine Brüste chirurgisch entfernt werden, erschien ihm aufgrund der Kosten immer unerreichbar.

Vor Kurzem startete er eine Crowdfunding-Kampagne. Jahrelang habe er sich die Brust eng abgebunden und große Schmerzen gehabt. "Ich dachte immer, eine Operation wäre unerreichbar für mich", sagt Massie. Inzwischen hat er 8330 Dollar gesammelt. "Ich bin überglücklich und gesegnet. Ich hätte niemals gedacht, dass ich an diesen Punkt meiner Reise kommen würde."

Video: Endlich im richtigen Körper - Leben als Transgender

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Mit Material von Reuters

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