Trauerarbeit Schröder will Grab seines Vaters besuchen

Bundeskanzler Gerhard Schröder ist über den Fund der Grabstätte seines Vaters erleichtert und berührt. Er kündigte an, das Grab in Rumänien bald privat zu besuchen.


Gerhard Schröder
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Gerhard Schröder

Hamburg - "Ich bin froh und berührt, endlich erfahren zu haben, wo genau das Grab meines Vaters liegt", sagte Schröder der "Bild"-Zeitung. Erst kürzlich hatten die Nachforschungen der Schwester des Kanzlers, Gunhild Kamp-Schröder ergeben, dass ihr Vater im rumänischen Ceanu Mare in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt wurde.

Gerhards Schröders Schwester Gunhild, von Beruf Spielhallenaufseherin, forschte unermüdlich. Von der Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht (WASt) in Berlin erhielt die 61-Jährige endlich die Nachricht über den Fund des Grabes von Fritz Schröder, berichtete die Zeitung.

Der Obergefreite Fritz Schröder war am 4. Oktober 1944 im Alter von 32 Jahren in Rumänien gefallen. Seinen am 7. April 1944 geborenen Sohn Gerhard bekam er nie zu Gesicht. Fritz Schröder war 1940 in Soest zur Wehrmacht einberufen worden und hatte zuletzt als Angehöriger eines Alarmbataillons gekämpft. Bei den Rückzugskämpfen der Heeresgruppe Süd war er gefallen und von rumänischen Zivilisten gemeinsam mit seinen Kameraden beigesetzt worden.

Die Witwe Erika Schröder habe sich allein mit zwei Kindern, Gerhard und seiner vier Jahre älteren Schwester Gunhild, durch Hilfsarbeiten über Wasser gehalten. 1947 heiratete sie ihren zweiten Mann, Paul Vosseler, mit dem sie später drei Kinder hatte.

Bei den Nachforschungen zum Grab ihres gefallenen Vaters Fritz stieß Schröders Schwester Gunhild auf bisher unbekannte Verwandte: Fritz Schröders Bruder Kurt und dessen Töchter Inge Siegel, 57, und Heidelinde Munkewitz, 59. Die zwei neu entdeckten Kusinen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) aus Thüringen wollen ihren prominenten Verwandten jetzt näher kennen lernen. "Wir würden ihn gerne einladen, wenn er die Absicht hat, seine Kusinen kennen zu lernen", sagte Inge Siegel aus Eisenach.

Gunhild Schröder-Kamp will mit ihrem Bruder Gerhard demnächst das Grab des Vaters besuchen. Gemäß eines 1997 geschlossenen Kriegsgräberabkommens zwischen Rumänien und Deutschland bestehe die Möglichkeit, dass Gefallene umgebettet werden.



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