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Abschied in Boston: Beerdigung von Ted Kennedy

Foto: JEWEL SAMAD/ AFP

Trauergottesdienst für Kennedy Die USA nehmen Abschied vom "Löwen des Senats"

Bewegend, staatstragend und sehr persönlich - rund 1500 Trauergäste haben Senator Ted Kennedy in einem emotionalen Gottesdienst die letzte Ehre erwiesen. Präsident Barack Obama würdigte seinen verstorbenen Mentor und Freund für dessen politische Erfolge und für seine menschlichen Stärken.

Washington - Es war eine angemessene Zeremonie, staatstragend und zugleich bewegend: Kinder, Enkel und Neffen Ted Kennedys gestalteten den katholischen Gottesdienst zu Ehren des Senators in der römisch-katholischen Basilika Our Lady of Perpetual Help in Boston mit - zum Teil mit tränenerstickter Stimme. Präsident Barack Obama hielt eine emotionale Rede. Er nannte den verstorbenen Senator "Kollege, Mentor und Freund" und würdigte ihn als einen der "größten Parlamentarier unserer Zeit". Kennedy sei die "Seele der Demokratischen Partei" und der "Löwe des US-Senats" gewesen.

"Ted Kennedys Lebenswerk bestand nicht darin, sich für die Reichen oder Mächtigen oder diejenigen mit besonderen Beziehungen einzusetzen", sagte Obama. "Es bestand darin, denjenigen eine Stimme zu geben, die nicht gehört wurden." Während man sich an die Leistungen Kennedys erinnere, werde vor allem sein großzügiges Herz vermisst.

Für das Land möge Kennedy der Erbe eines schweren Erbes gewesen sein, sagte Obama. Für diejenigen, die ihn liebten, sei er einfach Vater oder Opa gewesen, die jungen Kennedys hätten ihn wegen seines breiten Lächelns "big cheese" genannt.

Unter den Gästen waren auch die ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter, Bill Clinton und George W. Bush sowie Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur, unter ihnen Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger und Hollywood-Star Jack Nicholson.

Nach der Trauerfeier sollte der Leichnam nach Washington geflogen werden. Auf dem Friedhof Arlington haben auch die ermordeten Brüder des Verstorbenen, John F. Kennedy und Robert Kennedy, die letzte Ruhe gefunden.

"Teddy ist nun Teil der Geschichte"

Der 77 Jahre alte Senator aus Massachusetts war am vergangenen Dienstagabend einem Krebsleiden erlegen. Ärzte hatten im Mai 2008 einen bösartigen Gehirntumor bei ihm diagnostiziert, woraufhin er sich einer Operation und einer Mischung aus Strahlen- und Chemotherapie unterzog.

Schon am Freitag hatten Verwandte, Parteifreunde und Oppositionspolitiker bei einer Gedenkveranstaltung Kennedy als einen der Heroen der amerikanischen Politik gewürdigt. Vizepräsident Joe Biden nannte ihn ein Vorbild an Uneigennützigkeit und Lebensmut. Er glaube nicht, dass mit dem Tod des Senators die "Ära Kennedy" vorbei sei. Nach wie vor bildeten die Kinder der Generation von John F., Bob und Edward Kennedy "eine unglaubliche Familie" - talentierter und engagierter als jede andere Familie, die er gesehen habe.

Mehrere US-Senatoren gedachten bei der über dreistündigen Veranstaltung des Verstorbenen. "Wir waren meistens unterschiedlicher Meinung. Aber ich habe ihn bewundert für seine Überzeugungen, seine Geduld bei der harten, manchmal langweiligen Arbeit der Gesetzgebung", sagte der republikanische Senator John McCain. Vor allem aber habe Kennedy ein "unheimliches Gespür" dafür gehabt, wann es möglich gewesen sei, Brücken zwischen den politischen Lagern zu bauen, betonte der republikanische Präsidentschaftskandidat von 2008.

Kaum ein anderer Senator habe den Gang der Geschichte der USA mehr verändert, sagte der demokratische Senator John Kerry, der Präsidentschaftskandidat der Demokraten von 2004. Er versprach, die von Kennedy verfochtene Umgestaltung des Gesundheitswesens voranzutreiben. Dies solle "zu Ehren" von Edward Kennedy geschehen.

Kennedys Nichte Caroline, die Tochter des ermordeten Präsidenten John F. Kennedy, würdigte den Einsatz des Verstorbenen. "Teddy ist nun Teil der Geschichte", sagte Caroline Kennedy Schlossberg, "und wir sind diejenigen, die all die Dinge tun müssen, die er getan hätte - für uns und für unser Land."

Mehr als 30.000 Menschen verabschiedeten sich in Boston

Am Freitag hatten sich bereits mehr als 30.000 Amerikaner von Kennedy verabschiedet. Sie waren aus dem ganzen Land nach Boston gereist, um das bewunderte Vorbild ein letztes Mal zu ehren. Die John F. Kennedy Presidential Library, in der der Sarg aufgebahrt war, öffnete am Freitag früher als geplant ihre Türen, nachdem sich dort schon eine lange Warteschlange von Hunderten Menschen gebildet hatte.

Mit Ted Kennedys Tod geht in den USA eine politische Ära zu Ende: Seit dem Tod seiner beiden in den sechziger Jahren ermordeten Brüder John F. und Robert hatte Edward als Oberhaupt seines Familien-Clans gegolten.

Der oft nur "Ted" genannte Politiker war 1962 erstmals in den Senat gewählt worden. Dort saß er 47 Jahre lang und wurde zu einem der politischen Schwergewichte Amerikas. Ted Kennedy verstand sich als Sprachrohr der Arbeiter, der Armen und Schwachen und äußerte sich vor allem zu Fragen der Gesundheitspolitik, zu Bürgerrechten und zur Friedenspolitik. In den vielen Jahrzehnten im Senat nahm er Einfluss auf fast jedes Gesetz zur Sozialgesetzgebung, das den Kongress passieren musste. Kennedy war auch einer der schärfsten Kritiker der Irak-Politik von George W. Bush.

Nur zwei Senatoren in der Geschichte der USA waren länger im Amt als Kennedy. Seine eigenen Hoffnungen, ins Weiße Haus zu kommen, musste Kennedy praktisch jedoch schon 1969 aufgeben. Er war damals als 37-Jähriger in einen Autounfall verwickelt, bei dem seine Beifahrerin ums Leben kam. Kennedy hatte den Unfall, der sich nach einer Party ereignete, erst zehn Stunden später der Polizei gemeldet. Er wurde wegen Fahrerflucht zu einer Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt.

Sein Verhalten warf damals im Zusammenhang mit einer möglichen Präsidentschaft die Frage auf, ob er in der Lage sei, unter Druck rational zu handeln. Er selbst nannte sein Verhalten "irrational, unerklärlich und unentschuldbar". Seine Präsidentschaftsbewerbung 1980 scheiterte.

siu/AP/Reuters/dpa
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