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08. Dezember 2004, 09:17 Uhr

Treue Dienste

China errichtet Ratten-Denkmal

Die meisten Länder der Welt beschränken sich darauf, ihre Kriegsopfer mit Monumenten zu ehren. In der Volksrepublik gedenken die Behörden jetzt post mortem einer ganzen Armee von Nagetieren, die in heimischen Forschungslaboren zum Ruhme der chinesischen Wissenschaft ihr Leben ließen.

Für unfreiwilligen Dienst am Vaterland geehrt: Versuchsratten
DDP

Für unfreiwilligen Dienst am Vaterland geehrt: Versuchsratten

Peking - Die Fortschritte bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen Sars sind erheblich. Doch nichts liegt chinesischen Forschern offenbar ferner, als sich allein im wissenschaftlichen Ruhm zu sonnen. Die Behörden wollen jetzt mit einem Denkmal an jene Kreaturen erinnern, die durch zahlreiche Laborversuche die Tests der Seren am Menschen überhaupt erst möglich machten, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Ob Mäuse, Ratten, Meerschweinchen oder Kaninchen - die Tierversuche seien wesentlich für die Entwicklung des Impfstoffes gewesen, sagte der Leiter des Sars-Impfstoff-Programms, Yin Weiping.

Die Chinesische Akademie der Medizinwissenschaften sei jetzt mit einem entsprechenden Ehrenmal bedacht worden, hieß es. Wo genau das Monument aufgestellt wurde und wie es aussieht, wurde nicht bekannt. Die Wuhan-Universität in der zentralchinesischen Provinz Hebei hat bereits ein ähnliches Denkmal errichten lassen - zu Ehren von 38 Rhesusaffen, die bei den Tests zu einem vorausgegangenen Sars-Programm gestorben waren.

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