Trittbrettfahrer Erste Festnahmen in Deutschland

Die Polizei hat in Münster und Kassel so genannte "Trittbrettfahrer" festgenommen. Sie hatten Briefe mit weißem Pulver verschickt. Dabei wollten sie nur einen Spaß machen.


Münster - Eine 28 Jahre alte Studentin sandte zwei Briefe mit einem weißen Pulver sowie einem Foto des Terroristenführers Osama Bin Laden an ihren Bruder und eine Freundin in Berlin, teilte die Polizei mit.

Die Briefe mit den vermeintlichen Milzbranderregern seien im Postzentrum im Berliner Stadtteil Tempelhof entdeckt worden. Wegen Störung des öffentlichen Friedens werde gegen die Frau ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Zuvor hatte die Bundesregierung angekündigt, die Trittbrettfahrer hart bestrafen zu wollen.

Auch in Kassel wurde ein Trittbrettfahrer gefasst, der mit fünf Briefen Angst vor Milzbranderregern verbreiten wollte. Der 35 Jahre alte Mann hatte sich bei der Post gemeldet, nachdem am Morgen zwei verdächtige Briefe angehalten worden waren. Das Ganze sei nur ein Scherz gewesen, erklärte der Mann, der nun dem Haftrichter vorgeführt werden soll. Den beiden Festgenommenen drohen bis zu drei Jahre Haft und hohe Schadenersatzforderungen.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hat die so genannten Trittbrettfahrer als "eine der widerlichsten Erscheinungen" bezeichnet. Dies seien Leute mit sadistischen Zielsetzungen, die andere Menschen in Angst versetzten, sagte Schily am Mittwoch vor dem Europaausschuss des Bundestages. Es müsse gelingen, "einen dieser Burschen" zu schnappen und exemplarisch zu bestrafen. Auch müssten sie für den angerichteten Schaden aufkommen, verlangte der Minister.

Die Zahl der Milzbrand-Fehlalarme geht in Deutschland bereits in die Hunderte und behindert zunehmend die Postzustellung.



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