Zunehmende Trockenheit Landwirte sollen für Wasser zahlen
Trockener Acker
Foto: Patrick Pleul / picture allianceImmer mehr Bundesländer wollen, dass Landwirte für ihren Wasserverbrauch zahlen. Angesichts häufigerer Dürren in Zeiten des Klimawandels sollen Bauern so dazu gebracht werden, sparsamer mit Wasser umzugehen. Zuletzt hatte etwa die Ampelregierung in Rheinland-Pfalz angekündigt, künftig Geld für die Entnahme von Grund- und Oberflächenwasser in der Land- und Forstwirtschaft zu kassieren.
In anderen Bundesländern gibt es teils bereits entsprechende Regelungen, oder sie werden diskutiert, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergeben hat. Bisher waren Landwirte meist von den Entgelten für die Wasserentnahme ausgenommen oder erhielten sogar Teile des Geldes als Ausgleich für einen geringen Einsatz von Düngemitteln.
»Durch den Klimawandel sind Dürren in Europa deutlich wahrscheinlicher und auch intensiver geworden«, sagte Klimaforscher Fred Hattermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung der Deutschen Presse-Agentur. Es sei schlicht wärmer geworden – in Deutschland im Durchschnitt um zwei Grad – und dadurch die Winter kürzer, in denen sich Grundwasser, Seen und Böden wieder auffüllten. Außerdem gebe es zunehmend lang anhaltende Wetterlagen – etwa Hochdruckgebiete ohne Regenfälle.
Laut dem Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung herrschte zum Wochenende in mehreren Bundesländern in tieferen Bodenschichten außergewöhnliche Dürre. Das entspricht der fünften von fünf Stufen auf dem Dürremonitor. Betroffen waren vor allem Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt sowie Brandenburg und Berlin. Viele Pflanzen beziehen ihr Wasser aus den tieferen Bodenschichten bis 1,8 Meter Tiefe.
In manchen Ländern kostet Wasserentnahme bereits
In mehreren dieser Länder – dem Saarland, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen – ist die Wasserentnahme für die Landwirtschaft bereits kostenpflichtig, teilweise seit Jahrzehnten. Unterschiede gibt es bei den Preisen, die etwa im Saarland teilweise bei 0,7 Cent und in Sachsen-Anhalt bei zwei Cent pro Kubikmeter liegen. Den Angaben nach wird nicht für alle Wasservorkommen der gleiche Betrag erhoben. In Sachsen-Anhalt wird zudem über eine Erhöhung des Preises diskutiert, während in Bayern nach der Wahl im kommenden Jahr eine Abgabe eingeführt werden soll. Angekündigt ist die Einführung in dem Freistaat bereits seit 2018.
Auch in weiteren Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg oder Hessen wird über Wasserentnahmeentgelte für die Landwirtschaft nachgedacht. In Rheinland-Pfalz soll das geplante Gesetz Anfang 2024 in Kraft treten. Für einen Kubikmeter Grundwasser sollen sechs Cent, für einen Kubikmeter Oberflächenwasser 2,4 Cent fällig werden. In Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gibt es für Bauern bisher Ausnahmen von solchen Gebühren, die erst mal bestehen bleiben sollen.
Trockenheit macht Wälder anfällig für Schädlinge
Die Folgen der vielen Trockenheit in Deutschland sieht man beispielsweise im Harz. Dort wurden über 80 Prozent des Fichtenwaldes in den vergangenen Jahren zerstört – vor allem weil die Bäume wegen Wassermangels anfällig für den Schädlingskäfer sind.
In Frankreich riefen zuletzt Regionen im Süden des Landes an der Grenze zu Spanien wegen anhaltender Dürre den Krisenzustand aus. Demnach dürfen Landwirte und Landwirtinnen dort nur noch selten ihre Pflanzen bewässern. Auch Privatleute müssen sich einschränken, und es kommt zu Ausfällen in der Wasserversorgung. In den USA haben kürzlich drei Staaten eine Vereinbarung zur Rettung des Colorado River getroffen – der droht auszutrocknen, die Trinkwasser- und Stromversorgung von 40 Millionen Menschen ist in Gefahr.
Auch in Nordrhein-Westfalen gab es etwa in der Vergangenheit bereits lokale Verbote für die Wassernutzung in bestimmten Bereichen wie der Gartenbewässerung. Neben Wasserentnahmegebühren versuchen die Bundesländer auch auf anderen Wegen, ihre zukünftige Wasserversorgung zu sichern. Mecklenburg-Vorpommern möchte unter anderem mit der Restaurierung von Mooren oder breiteren Randstreifen an Äckern mehr Wasser in der Fläche behalten. Das niedersächsische Umweltministerium unterstützte zuletzt Vorhaben, die die Wasserwirtschaft an den Klimawandel anpassen wollen, mit 8,2 Millionen Euro.
Anmerkung der Redaktion: Eine früheres Foto zeigte ein trockenes Sonnenblumenfeld. Allerdings trocknen Sonnenblumen vor der Ernte – auch ohne Dürre. Wir haben das Bild daher ausgetauscht.