Tropensturm "Agatha" sorgt für verheerende Schäden in Mittelamerika

Mehr als 100.000 Menschen sind auf der Flucht, Dutzende kamen ums Leben: Der erste Pazifik-Tropensturm des Jahres hat in Zentralamerika für verheerende Schäden gesorgt. Guatemala, El Salvador und Honduras riefen den Notstand aus.

REUTERS

Guatemala-Stadt - Beim ersten Tropensturm der Saison sind in Mittelamerika etwa hundert Menschen ums Leben gekommen. Allein in Guatemala tötete der Sturm "Agatha" nach Regierungsangaben vom Sonntag (Ortszeit) 82 Menschen und zwang 112.000 Menschen zur Flucht. Wie Guatemala riefen auch El Salvador und Honduras wegen heftiger Regenfälle und Erdrutschen den Notstand aus.

Landesweit seien nach bisherigen Informationen 82 Menschen durch das Unwetter ums Leben gekommen, sagte Guatemalas Staatschef Alvaro Colom nach einer Kabinettssitzung in Guatemala-Stadt. 53 Menschen werden noch vermisst. Zudem habe es fast 60 Verletzte gegeben, schreibt die Zeitung "La Prensa Libre".

Colom sprach am Sonntag von der bisher schlimmsten Regenkatastrophe für Guatemala und bat um internationale Hilfe. Er ordnete unter anderem die Schließung der Schulen für eine ganze Woche an.

Mit 49 Todesopfern am schwersten betroffen sei der Regierungsbezirk Chimaltenango 55 Kilometer westlich der Hauptstadt, teilte die Katastrophenschutzbehörde mit. Das schlimmste Unglück in Guatemala ereignete sich im Regierungsbezirk Solola. Dort wurden bei einem Erdrutsch 25 Häuser begraben. 15 Menschen starben, zehn weitere wurden vermisst, wie der Bürgermeister von San Antonio Palopo, Andres Cumes, mitteilte.

Die Regenmassen zerstörten Brücken und Straßen. Hunderte von Häusern und Schulen wurden beschädigt.

Hohe Erdrutschgefahr

Die Behörden im benachbarten El Salvador meldeten neun, die in Honduras acht Todesopfer. 2300 Menschen wurden in Honduras vor dem Unwetter in Sicherheit gebracht, zahlreiche Straßen und Brücken waren dort beschädigt worden. "Agatha" war der erste Sturm der Tropensturmsaison, die in der nördlichen Hemisphäre vom 1. Juni bis zum 30. November dauert.

Guatemalas Staatschef Alvaro Colom hatte am Samstag einen landesweiten Notstand ausgerufen. Nach seinen Angaben waren Dutzende Ortschaften wegen blockierter Straßen von der Außenwelt abgeschnitten. Die Schulen sollten in den nächsten Tagen geschlossen bleiben.

In Honduras wurde am Sonntag der landesweite Notstand ausgerufen. Auch El Salvadors Staatschef Mauricio Funes verhängte den Notstand über sein Land. "Agatha" sei zwar mittlerweile von einem Tropensturm auf ein tropisches Tief herabgestuft worden, aber das Erdrutsch- und Überflutungsrisiko bleibe weiter "sehr hoch", erklärte Funes.

Mexikos Präsident Felipe Calderón bot Guatemala an, den Flughafen in der mexikanischen Grenzstadt Tapachula für Flüge zu nutzen. Kolumbien und die USA hatten angeboten, per Luftunterstützung Hilfsgüter in die von "Agatha" betroffenen Länder zu bringen und bei der Evakuierung der Gebiete zu helfen.

Guatemala litt nicht nur unter Sturm und Regen, sondern auch unter dem Ausbruch des Vulkans Pacaya. Im Umkreis von 50 Kilometern wurden rund 2000 Menschen in Sicherheit gebracht. Der Vulkan im Süden des Landes stößt Asche und Sand aus. Durch die Erschütterungen bei dem Ausbruch am Mittwoch kamen mindestens zwei Menschen ums Leben, drei weitere wurden vermisst. Der internationale Flughafen von Guatemala-Stadt sollte die nächsten Tage geschlossen bleiben. Heftiger Regen machte es dem Flughafenpersonal schwer, die Ascheschicht zu entfernen.

Im südamerikanischen Ecuador war der Vulkan Tungurahua weiter aktiv. In dem Krater hätten sich starke Explosionen ereignet, teilte das staatliche Institut für Geophysik mit. Der gut 5000 Meter hohe Vulkan speie aber derzeit keine Asche. Wegen des Vulkanausbruchs waren 2500 Menschen in Sicherheit gebracht worden.

han/dpa/AFP



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