Waldbrände um Tschernobyl-Reaktor Deutschland schickt Hilfsmaterial für 230.000 Euro

Seit zwei Wochen breiten sich Brände rund um die Ruine des Atommeilers Tschernobyl aus. Nun verspricht die Bundesregierung Hilfe - eine Eskalation der Feuer wäre auch für Deutschland gefährlich.
Brände in der Sperrzone: Hunderte Feuerwehrleute sind in Tschernobyl im Einsatz

Brände in der Sperrzone: Hunderte Feuerwehrleute sind in Tschernobyl im Einsatz

Foto: Ukrainian Police Press Office/ AP/ dpa

Rund um das frühere Atomkraftwerk Tschernobyl brennt der Wald - schon seit zwei Wochen dauern die Löscharbeiten auf dem radioaktiv belasteten Gelände an. Auch Deutschland will seine Unterstützung aufstocken.

Spezialmaterial im Wert von 230.000 Euro soll laut der deutschen Botschaft  in Kiew durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zur Verfügung gestellt werden: "Die schnelle Hilfe umfasst 80 Dosimeter zur Messung der Radioaktivität und rund 15 Kilometer Feuerwehrschläuche." Zusätzlich werde man ein speziell für Wald- und Vegetationsbrände ausgestattetes Tanklöschfahrzeug anschaffen.

Bereits seit 2015 unterstützt die Bundesregierung den ukrainischen Katastrophenschutz DSNS und das ukrainische Rote Kreuz mit Trainingsmaßnahmen und Ausrüstung. Unter anderem 50 Feuerwehrfahrzeuge, 12 Krankenwagen 2000 Atemschutzgeräte und 5500 Vollgesichtsmasken wurden seither an die Ukraine übergeben. Allein in der vergangenen Woche sendete die Bundesregierung dem DSNS Schutzmasken, Schutzanzüge und Desinfektionsgeräte im Wert von 175.000 Euro zur Bekämpfung der Coronakrise.

Bei ungünstiger Wetterlage könnte auch Deutschland betroffen sein

Die trotz erster Löscherfolge anhaltenden Brände stellen den ukrainischen Katastrophenschutz zusätzlich zur Coronakrise vor besondere Herausforderungen: Mehr als 700 Feuerwehrleute kämpfen noch immer mit Unterstützung von Hubschraubern gegen die mindestens sechs Schwelbrände rund um das Kernkraftwerk Tschernobyl an. Mindestens 46.000 Hektar Vegetation sind nach Schätzungen von Greenpeace bereits abgebrannt. Bisher wurde die Reaktorruine selbst von den Bränden nicht erfasst. Doch es droht die Gefahr, dass die Rauchwolken radioaktive Partikel aus der verstrahlten Sperrzone transportieren. Bei ungünstiger Wetterlage und Windrichtung könnte davon auch Deutschland betroffen sein.

Eine Ausweitung der Brände würde umliegende besiedelte Gebiete der Sperrzone in Gefahr bringen: In der benachbarten Region Schytomir griff das Feuer bereits vergangenen Donnerstag auf mehrere Dörfer über. Die Flammen zerstörten 38 Wohnhäuser, rund 50 Bewohner mussten in Sicherheit gebracht werden. Auch die rund drei Millionen Einwohner der 70 Kilometer entfernten Hauptstadt Kiew haben noch immer mit durch die Brände hervorgerufenem Smog zu kämpfen. Auch erhöhte Radioaktivität war nach Behördenangaben zu verzeichnen - diese sei jedoch bislang unterhalb der Grenzwerte.

In der größten Atomkatastrophe der zivilen Kernkraftnutzung war es am 26. April 1986 im Block vier des damals noch sowjetischen Atomkraftwerks Tschernobyl zu einer Explosion gekommen. Tausende Menschen starben an den Folgen, Zehntausende wurden zwangsumgesiedelt.

Mittlerweile ist das Sperrgebiet wieder für geführte Touristen zugänglich. In den vergangenen Jahren war es wiederholt zu Bränden in den unbesiedelten Gebieten der Sperrzone gekommen. Oft wurden sie auf Brandstiftung zurückgeführt.

dak/dpa
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