Tsunami-Alarm in Südasien Dutzende Tote nach gewaltigem Beben vor Indonesien

Vor Indonesien hat erneut der Meeresboden gebebt. Für viele Küsten Südasiens wurden Tsunami-Warnungen ausgegeben. Auf der Insel Nias westlich von Sumatra wurden bei dem Beben der Stärke 8,2 Dutzende Menschen getötet. Indonesiens Regierung gab am Abend Tsunami-Entwarnung: Neue verheerende Flutwellen seien nicht zu erwarten.


SPIEGEL ONLINE

Jakarta - Von dem schweren Seebeben vor Indonesien ausgelöste Tsunamis laufen einem US-Experten zufolge vermutlich in Richtung Mauritius. Robert Cessaro von dem Pazifischen Tsunami-Warnzentrum sagte dem Sender CNN, vermutlich habe das Beben mit einer Stärke von 8,5 auf der Richterskala tatsächlich ein Tsunami ausgelöst. Dieser werde jedoch wohl die Form eines "nach Süden gerichteten Energiestrahls" annehmen, sagte er. Mauritius liegt vor Afrika auf der anderen Seite des Indischen Ozeans.

Die Behörden von Thailand und Sri Lanka hatten vorsorglich eine Tsunamiwarnung über das Radio verbreitet. Der Bevölkerung wurde geraten, die Küstenregion sofort zu verlassen. Sri Lanka hat bereits mit der Evakuierung von Küstenregionen begonnen. "Wir haben einen Anruf aus der Stadt Trincomalee erhalten", sagte ein Regierungssprecher der Nachrichtenagentur Reuters. "Uns wurde gesagt, dass die Sirenen heulen, dass heißt, dass eine Evakuierung läuft", sagte er.

Die thailändischen Behörden lösten Alarm in sechs Provinzen an der Andamanische-See, darunter auch für die Touristeninsel Phuket, aus. Auch wurden Fischer aufgefordert, unverzüglich an Land zurückzukehren.

Aus Indonesien wurden panikartige Reaktionen der Bevölkerung gemeldet, vielerorts fiel der Strom aus. Auf der Insel Nias wurden Dutzende Menschen getötet. Ein Sprecher sagte im Fernsehen, es gebe Verletzte, viele Gebäude seien zerstört worden. In der vom Tsunami im Dezember besonders heftig betroffenen Region Banda Aceh auf Sumatra flüchteten die Menschen aus ihren Häusern. Zur Flucht nutzten sie alle zur Verfügung stehenden Transportmittel landeinwärts. Die Straßen waren überfüllt. Allerdings sind dort bislang keine Anzeichen für einen Tsunami beobachtet worden. Das teilten indonesische Behördensprecher mit. Die Erschütterungen waren bis Malaysia und Thailand zu spüren.

Das Beben ereignete sich in Indonesien um kurz nach 23 Uhr (etwa 18 Uhr MESZ). Daher dürften sich nicht viele Menschen am Strand aufgehalten haben - die Flutwellen nach dem Beben im Dezember hatten am Vormittag die Küsten erreicht. Viele Menschen, die sich am Strand oder in den Siedlungen am Meer aufgehalten hatten, wurden von den meterhohen Wellen einfach weggerissen.

Nach Einschätzung amerikanischer Geologen handelt es sich um ein Nachbeben des schweren Bebens, das an Weihnachten einen Tsunami auslöste. Ein Experte der US-Behörde für Geologische Überwachung sagte der Nachrichtenagentur Reuters, das Epizentrum liege im Meer 125 Meilen westlich der Stadt Sibolga auf der Insel Sumatra in fast 30 Kilometern Tiefe.

US-Geologen hatten die örtlichen Behörden aufgefordert, die Küstenregionen im Umkreis von 1000 Kilometern des Epizentrums zu evakuieren. Das Pazifische Tsunami-Warncenter in Hawai warnte, dass das Beben einen verheerenden Tsunami zur Folge haben könnte. "Die Behörden können davon ausgehen, dass die Gefahr vorüber ist, wenn innerhalb der nächsten drei Stunden in der Region nahe dem Epizentrum keine Wellen entdeckt werden", hieß es in einer Mitteilung des Tsunami-Warncenters. Um 20.30 Uhr teilte die indonesische Regierung mit, dass es keine Anzeichen für einen Tsunami gebe.

Über die Stärke des Seebebens liegen unterschiedliche Informationen vor. Das japanische Erdbebenzentrum in Tokio registrierte eine Stärke von 8,5, ebenso das Pazifische Tsunami-Warncenter. Zuvor hatten US-Geologen ein Beben der Stärke 8,2 gemeldet.

Ein Augenzeuge auf der Insel Penang in Malaysia berichtete dem Sender CNN, das Erdbeben um 23.09 Uhr Ortszeit sei für zwei bis drei Minuten deutlich zu spüren gewesen. Es habe aber nach erstem Augenschein keine unmittelbaren Schäden gegeben.

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Der Meeresboden nach dem Beben im Dezember. Klicken Sie auf das Bild, um die Fotostrecke zu starten.

Im Dezember 2004 hatte ein Seebeben im Indischen Ozean eine Flutkatastrophe ausgelöst, bei der rund 300.000 Menschen ums Leben gekommen waren. Das Beben im Dezember war ausgelöst worden, als sich die Indische Platte unter die Burmesische Platte schob. Vor allem an den Punkten, an denen zwei Platten zusammenstoßen und aneinander entlangreiben, können Erdbeben entstehen.



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