Tsunami-Katastrophe Bilder der Zerstörung und der Hoffnung

Die Aufnahmen der gigantischen Flutwelle in Südostasien haben sich tief ins Gedächtnis der Welt eingeprägt. Inzwischen ist in die meisten der damals zerstörten Orte das Leben zurückgekehrt. Ein Foto-Vergleich – unmittelbar nach dem Tsunami und heute.


Hamburg - Sie sind zurück und suchen das, was sie immer gesucht haben: Sonne, Meer und jede Menge Zerstreuung. Ein Jahr nachdem ein Seebeben vor der Küste Sumatras die verheerende Flutwelle auslöste, strömen Touristen erneut nach Phuket oder Phi Phi, auf die Malediven oder nach Malaysia - die dortige Reisebranche ist aber von den einstigen Boom-Zahlen noch weit entfernt.

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Tsunami: Wo die Welle zuschlug

Was der Katastrophe folgte, bei der 231.000 Menschen starben, war laut den Vereinten Nationen die großzügigste und schnellste internationale Hilfsaktion der Geschichte. Mehr als 11,4 Milliarden Dollar wurden weltweit für den Wiederaufbau der betroffenen Regionen zur Verfügung gestellt - davon allein fünf Milliarden aus privaten Spenden. Nach den USA und Australien liegt Deutschland mit knapp 670 Millionen Dollar an Platz drei der freigiebigsten Länder.

Doch längst nicht alle Hilfsmittel haben die Bedürftigen bisher erreicht. Ein großer Teil der Gelder liegt noch immer auf Konten und wartet darauf, sinnvoll eingesetzt zu werden. Die großen deutschen Hilfsorganisationen haben eigenen Angaben zufolge mehr als ein Drittel ihrer rund 320 Millionen Euro Spenden für Nothilfe und Wiederaufbau ausgegeben. Ein Großteil der restlichen Mittel sei bereits für konkrete Projekte verplant, teilten Unicef, Caritas, Diakonie und das Deutsche Rote Kreuz gestern mit.

Der Wiederaufbau werde aber "sicherlich drei bis fünf Jahre dauern", erklärte der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Dietrich Garlichs. Trotz vieler Fortschritte sei die Situation in den Tsunami-Gebieten weiter schwierig.

Von den insgesamt benötigten 308.000 Wohnhäusern sind der Uno zufolge erst 46.000 fertig gestellt oder im Bau. Noch immer leben in Indonesien, Sri Lanka und Indien mehr als 200.000 Menschen in überfüllten und zum Teil unhygienischen Barackensiedlungen oder Zelten. Etwa ein Drittel davon sind Kinder und Jugendliche.

Die Vereinten Nationen mahnen zudem eine strikte Kontrolle der Finanzmittel für die Tsunami-Region an. Es sei sicherzustellen, dass die Spenden die Überlebenden auch wirklich erreichten, betonte Hafis Pascha, Projektleiter des Uno-Entwicklungsprogramms für den asiatisch-pazifischen Raum gestern bei einem Besuch in Kuala Lumpur. Dies sei besonders wichtig in Ländern, die für hohe Korruption bekannt seien.

Auch schwelende lokale Konflikte in Teilen der Katastrophenregion sind längst wieder entflammt. So droht die Gewalt in Nord- und Ost-Sri-Lanka die Tsunami-Hilfsaktionen ernsthaft zu bedrohen. Während des zwei Jahrzehnte dauernden Bürgerkriegs kamen hier 64.000 Menschen ums Leben - fast doppelt so viele wie dem Tsunami zum Opfer fielen. Viel Arbeit für viele Helfer mit viel Geld.



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