Tsunami-Katastrophe Neun Menschen überlebten 38 Tage auf indischer Insel

Mehr als fünf Wochen nach der Tsunami-Katastrophe hat die indische Polizei jetzt fünf Männer, zwei Frauen und zwei Mädchen gerettet. Sie waren die ganze Zeit auf einer entlegenen Nikobaren-Insel umhergeirrt.


Neu Delhi - Die Insel namens Campbell Bay war weitgehend von der Flutwelle zerstört worden. Die neun Menschen hatten sich zum Zeitpunkt der Katastrophe auf einen Hügel geflüchtet und waren seither zwischen den zerstörten Dörfern herumgelaufen. Viele der Dörfer waren komplett ausradiert. "Wir entdeckten sie rund zwölf Kilometer vom Strand entfernt im Wald. Sie rannten auf uns zu, ohne ein Wort zu sagen", berichtete ein Polizist. "Sie schienen zwar schon glücklich zu sein, aber es gab keine Umarmungen, Tränen oder Freudenschreie."

Die Polizisten, die sie fanden, waren eigentlich auf die Insel gekommen, um Leichen zu bergen. Mit Überlebenden hatte längst niemand mehr gerechnet. Die ganze Zeit hatten sich die Neun von Kokosnüssen und erlegten Wildschweinen ernährt. Der älteste der Überlebenden war ein 65-jähriger Mann, die Jüngste ein elfjähriges Mädchen.

Alle gehörten sie zur einheimischen Stammesbevölkerung. Zwei der Geretteten waren stark dehydriert und mussten in ein Krankenhaus gebracht werden. Die anderen wurden in ein Aufnahmelager für Tsunami-Opfer gebracht. Die Insel liegt etwa 225 Kilometer von Banda Aceh entfernt, der Region in Indonesien, in der der Tsunami am schlimmsten zugeschlagen hat.



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