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05. August 2015, 15:13 Uhr

Statt Bankett

Brautpaar verteilt Essen an 4000 Flüchtlinge

Rauschende Hochzeitsfeier oder Hilfe für Tausende Flüchtlinge? Ein Paar aus der Türkei hat sich entschieden - und wird nun für seine Großzügigkeit gefeiert.

Fethullah Üzümcüolu und Esra Polat kommen aus der türkischen Stadt Kilis. Sie liegt nahe der Grenze zu Syrien, wo seit Jahren Bürgerkrieg herrscht. Zehntausende Flüchtlinge aus dem Nachbarland sind nach Kilis geflohen. Für 4000 von ihnen gab es bei Üzümcüolus und Polats Hochzeit auch etwas zu feiern: Das Paar verzichtete auf ein opulentes Bankett und nutzte das Geld lieber, um die Flüchtlinge mit Essen zu versorgen. Das berichten unter anderem die "Washington Post" und der "Telegraph".

Die türkische Wohltätigkeitsorganisation Kimse Yok Mu (KYM) twitterte Fotos des Paares. Inzwischen verbreitet sich die Nachricht von dem außergewöhnlichen Hochzeitsessen viral. Die großzügige Geste berührt viele Menschen - insbesondere, da Flüchtlingen oftmals mit Gleichgültigkeit, Ablehnung oder Feindseligkeit begegnet wird. Das Paar habe den Flüchtlingen ein "unglaubliches Geschenk" gemacht, befand die "Washington Post".

Eine KYM-Sprecherin sagte der Zeitung, die Idee zu dem ungewöhnlichen Hochzeitsessen habe der Vater des Bräutigams gehabt. Er engagiere sich für die Organisation. Der Mann sei der Überzeugung gewesen, ein Bankett sei unnötig, wenn nebenan Menschen Nahrung brauchten. Der Bräutigam stimmte dem Vorschlag zu. "Ich bin sehr glücklich, dass er es angenommen hat und sie ihre neue glückliche Reise mit solch einer selbstlosen Tat beginnen", wird der Vater zitiert.

Die Braut soll zunächst schockiert gewesen sein, ließ sich aber überzeugen. Hinterher sagte sie, es sei eine wunderbare Erfahrung gewesen. Man habe das Hochzeitsessen mit Bedürftigen teilen dürfen. "Das Glück in den Augen der syrischen Flüchtlingskinder zu sehen, ist einfach unbezahlbar", sagte der Bräutigam.

Die Türkei hat seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien mehr als eine Million Flüchtlinge aufgenommen. Laut "Washington Post" betreibt KYM eine Suppenküche in Kilis, täglich werden rund 4000 Menschen versorgt.

ulz

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