Türkei Heftiger Regen behindert Hilfsaktionen

Die Lage im Erdbebengebiet wird immer dramatischer. In der Nacht zum Dienstag regnete es in Strömen. Die Rettungsarbeiten mussten zum Teil unterbrochen werden. Unterdessen wird erste Kritik an der Hilfe der Bundesregierung laut.

Ankara - Nach jüngsten Angaben des Krisenstabes in Ankara sind bisher 14.360 Tote und 43.873 Verletzte gezählt worden. Viele tausend Menschen verbrachten die Nacht erneut im Freien und wurden völlig durchnässt. Aus Angst vor Nachbeben hatten sie nicht in ihre Häuser zurückgehen wollen. Zahlreiche Obdachlose sind aus Furcht vor Plünderungen nicht in die Zeltstädte gezogen. In den vergangenen Tagen wurde immer wieder über Diebe berichtet, die Wohnungen in beschädigten Häusern ausgeräumt hatten.

Eine Woche nach dem katastrophalen Erdbeben besteht so gut wie keine Chance mehr, noch Überlebende unter den Trümmern zu finden. Unterdessen wächst die Angst vor Seuchen im Katastrophengebiet weiter. Ärzte befürchten den Ausbruch von Cholera, Ruhr und Hepatitis. Viele Opfer leiden inzwischen an Durchfall und Allergien. Die hygienischen Verhältnisse sind in einigen Gebieten noch immer sehr schlecht: Es gibt kein sauberes Wasser, keine Waschmöglichkeiten und zu wenig Toiletten. In den Städten wird Desinfektionsmittel versprüht.

Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Hakki Keskin, kritisierte die Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung. Den "Stuttgarter Nachrichten" sagte Keskin, die inzwischen auf fünf Millionen Mark aufgestockte Soforthilfe sei unwürdig für ein Land wie Deutschland, in dem immerhin 2,3 Millionen türkische Staatsbürger lebten. Andere Länder hätten sich großzügiger verhalten, etwa die Niederlande. Der türkische Politikwissenschaftler lobte ausdrücklich die Hilfsbereitschaft der deutschen Bevölkerung und der Hilfsorganisationen. Insgesamt reiche die Hilfe vor Ort aber bei weitem nicht aus.

Die Schäden in der Erdbebenregion bezifferte Keskin auf annähernd 40 Milliarden Mark. Kein Land könne dies allein bewältigen. Hier müsse die Europäische Union insgesamt tätig werden. Kritik übte der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde auch an der Regierung in Ankara. Die türkische Regierung sei auf eine solche Katastrophe in keiner Weise vorbereitet gewesen. Es müssten dringend Lehren für die Zukunft gezogen werden, sagte Keskin.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.