Türkei Starkes Nachbeben erschüttert Unglücksprovinz

Seit dem Erdbeben im Südosten der Türkei haben Seismologen rund 500 Nachbeben registiert - eines der Stärke 5,4 ereignete sich am Dienstagnachmittag. Die Helfer finden noch immer Tote unter den Trümmern, doch schier unglaubliche Fälle von Überlebenden machen den Rettern Mut.

Trümmer in Ercis: Am Dienstag bebte erneut die Erde
AFP

Trümmer in Ercis: Am Dienstag bebte erneut die Erde


Ercis - Die Region um die Provinzhauptstadt Van im Südosten der Türkei ist am Dienstag von einem starken Nachbeben erschüttert worden. Es hatte nach Angaben der Seismologen eine Stärke von 5,4. Berichte über neue Zerstörungen lagen nicht vor. Am Sonntag hatte ein Beben der Stärke 7,2 Hunderte Todesopfer gefordert.

Die Bergungsmannschaften haben bisher 432 Leichen in den zerstörten Häusern entdeckt. Nach Angaben des Krisenstabes der Regierung gibt es zudem 1352 Verletzte. Auch das Ausmaß der Zerstörung wurde am Dienstag immer deutlicher. Die Behörden korrigierten die Zahl der zerstörten Häuser von 970 auf 2262.

Rettungshelfer setzten die Suche nach möglichen Überlebenden und Toten fort. Am Dienstag konnte zwei Tage nach dem verheerenden Erdbeben ein zwei Wochen altes Baby lebend aus den Trümmern geborgen werden. "Es ist gesund und es wird leben", sagte ein behandelnder Arzt. Wenige Stunden nach dem Baby konnte auch die Mutter des Babys gerettet werden.

Zudem wurde ein junger Mann nach 32 Stunden aus dem Schutt eines eingestürzten Teehauses geholt. "Es war wie das Jüngste Gericht", beschrieb der 18-jährige Mesut Ozan Yilmaz das Beben. Den Kopf habe er auf den Fuß eines toten Mannes gelegt.

Nachdem viele Menschen die zweite Nacht in Folge im Freien und ohne Zelte verbringen mussten, wird die Kritik an dem Einsatz und an der mangelnden Hilfe zunehmend lauter. Einwände gab es auch aus der regierenden islamisch-konservativen Regierungspartei AKP. Unterdessen verstärkte der türkische Rote Halbmond seine Hilfsbemühungen. Noch am Dienstag sollten 12.000 weitere Zelte im Krisengebiet verteilt werden.

In Ercis bildete sich vor dem Bürgermeisteramt am Dienstag eine lange Schlange von Menschen, die sich für die Verteilung weiterer Zelte vormerken lassen wollten. Außerdem gab es Listen für Suppenküchen. Die Behörden warnten davor, beschädigte Häuser zu betreten, weil diese durch Nachbeben noch einstürzen könnten.

bim/Reuters/dpa/AP

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