Tunesien Elf Neugeborene sterben binnen 48 Stunden in einer Klinik

In einer Klinik in Tunesien sind innerhalb von zwei Tagen elf Säuglinge gestorben. Behörden vermuten Blutvergiftungen als Ursache, der Gesundheitsminister des Landes trat zurück.

Eingang der betroffenen Klinik in Tunis
AFP

Eingang der betroffenen Klinik in Tunis


Der Tod von elf Babys in einer Klinik in Tunesien hat Entsetzen ausgelöst. Die Säuglinge starben am 7. und 8. März auf der Geburtsstation eines Krankenhauses in der Hauptstadt Tunis. Gesundheitsminister Abderraouf Cherif erklärte am Samstagabend seinen Rücktritt, wie die staatliche tunesische Nachrichtenagentur TAP meldete. Die Regierung ordnete eine Ermittlung an, um die Ursache der Todesfälle zu klären. Auch die Staatsanwaltschaft kündigte Untersuchungen an.

Das Gesundheitsministerium versprach schnelle Präventivmaßnahmen, um weitere Todesfälle zu verhindern. TAP meldete unter Berufung auf das Ministerium, wahrscheinlich hätten Blutvergiftungen zum Tod der Babys geführt. Die Tunesische Gesellschaft für Pädiatrie erklärte dazu auf ihrer Facebookseite, die Ermittlungen konzentrierten sich derzeit auf ein Präparat zur künstlichen Ernährung als Auslöser der Infektion. In der betroffenen Klinik kämen jährlich 15.000 Kinder zur Welt, hieß es.

Die Tageszeitung "Essafa" schrieb in ihrer Sonntagsausgabe von einem "Staatsverbrechen". Bilder zeigten, wie Eltern das Krankenhausgebäude verließen und die Leichen ihrer Kinder in Pappkartons bei sich trugen.

Premierminister Youssef Chahed besuchte die Klinik am Samstagabend und versprach, die Verantwortlichen für die Todesfälle zu ermitteln. Bereits im Februar hatte es in zwei anderen tunesischen Kliniken Todesfälle unter Kindern gegeben. In Medien war damals die Rede von Masern.

Tunesien steckt seit Jahren in einer Wirtschaftskrise, unter der auch die Gesundheitsversorgung leidet. Das Gesundheitssystem des Landes galt einst als vorbildlich, kämpft aber seit langen mit Führungs- und Finanzierungsproblemen. Unter anderem fehlt es an Ärzten, da viele von ihnen aus dem nordafrikanischen Land auswandern.

Von den politischen Reformen, die nach dem Sturz des Diktators Zine el-Abedine Ben Ali vor acht Jahren angestoßen wurden, merken die elf Millionen Tunesier nur wenig. Die Inflation liegt bei acht Prozent, in den armen Regionen im Südwesten des Landes ist jeder Dritte arbeitslos. Das monatliche Durchschnittseinkommen liegt bei knapp 200 Euro.

mmq/dpa

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