Trotz Protesten Antike Tutanchamun-Büste für 5,3 Millionen Euro versteigert

Gut 3000 Jahre alt, knapp 30 Zentimeter groß und mehr als fünf Millionen Euro teuer: In London ist eine Büste des Pharaos Tutanchamun versteigert worden. Ägyptens Außenministerium kritisierte die Auktion.

Für mehr als fünf Millionen Euro versteigert: Eine gut 3000 Jahre alte Büste des ägyptischen Pharaos Tutanchamun
CHRISTIES AUCTION HOUSE/ HANDOUT/ EPA-EFE/ REX

Für mehr als fünf Millionen Euro versteigert: Eine gut 3000 Jahre alte Büste des ägyptischen Pharaos Tutanchamun


Eine gut 3000 Jahre alte Büste des ägyptischen Pharaos Tutanchamun hat bei einer umstrittenen Auktion in London für 4,7 Millionen Pfund (5,3 Millionen Euro) den Besitzer gewechselt. Das Auktionshaus Christie's veräußerte die 28,5 Zentimeter große Steinbüste des berühmten ägyptischen Königs an einen unbekannten Käufer.

Die Versteigerung provozierte wütende Reaktionen aus Kairo - dort wird vermutet, dass die Büste aus Ägypten gestohlen wurde. Rund ein Dutzend Menschen mit Ägypten-Fahnen demonstrierten vor dem Auktionshaus in London. Auf Schildern forderten die Demonstranten, den Handel mit "geschmuggelten Antiquitäten" zu stoppen. Die Tutanchamun-Büste dürfe nicht bei jemandem zu Hause aufbewahrt werden, sagte eine Demonstrantin. "Sie sollte in einem Museum sein. Das ist Geschichte. Er ist einer unserer bekanntesten Könige."

Das ägyptische Ministerium für Altertümer will sich in der kommenden Woche mit dem Fall befassen: "Die ägyptische Regierung wird alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um ägyptische Altertümer zurückzuerhalten, die illegal aus Ägypten gebracht wurden. Ägyptens Außenministerium hatte am Mittwoch erklärt, die Auktion stehe im Widerspruch zu internationalen Vereinbarungen und Konventionen. Der frühere Minister für Altertümer, Sahi Hawass, sagte, die Büste sei vermutlich in den Siebzigerjahren aus dem Karnak-Tempelkomplex gestohlen worden.

Grabmal im Tal der Könige wurde 1922 entdeckt

Christie's zeigte sich erstaunt über die verärgerten Reaktionen aus Ägypten. Das Land habe sich niemals in dieser Form über die Büste aus der privaten Resandro-Sammlung geäußert, die seit vielen Jahren bekannt und öffentlich ausgestellt worden sei. "Das Objekt ist nicht und war nie Gegenstand von Ermittlungen", betonte das Auktionshaus.

Nach Angaben von Christie's hatte die Sammlung Resandro die Büste 1985 von dem Münchner Galeristen Heinz Herzer gekauft. Davor sei sie im Besitz eines österreichischen Kunsthändlers gewesen, der sie wiederum 1973 oder 1974 von Prinz Wilhelm von Thurn und Taxis erstanden habe.

Wie die Statue aber nach Europa kam, erklärte auch Christie's nicht. Außerdem wurden in einem Artikel auf der Website "Live Science" Zweifel daran geäußert, dass sich die Büste tatsächlich jemals im Besitz von Wilhelm von Thurn und Taxis befand.

Tutanchamun ist einer der berühmtesten Könige der ägyptischen Geschichte. Er soll mit nur neun Jahren Pharao geworden und zehn Jahre später, etwa um das Jahr 1323 vor Christus, gestorben sein. Sein Grabmal im Tal der Könige wurde 1922 von dem britischen Archäologen Howard Carter entdeckt. Anders als viele andere Pharaonengräber war es nicht bereits ausgeplündert, sondern enthielt mehr als 5000 intakte Objekte, davon viele aus Gold.

wit/AFP



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