Seelenheil per Twitter Vatikan stellt Ablass für Papst-Follower in Aussicht

Wer den Weltjugendtag in Rio per Twitter verfolgt, kann auf vorzeitige Entlassung aus dem Fegefeuer hoffen - dieses Urteil hat der vatikanische Bußgerichtshof gefällt. Den Ablass gebe es aber nicht einfach per Mausklick, hieß es: Ein bisschen Glaube gehöre schon dazu.
Päpstlicher Twitter-Account: "Nicht wie einen Kaffee am Automaten"

Päpstlicher Twitter-Account: "Nicht wie einen Kaffee am Automaten"

Rom - Die katholische Kirche scheint endgültig im 21. Jahrhundert angekommen zu sein - jedenfalls, was den Gebrauch sozialer Netzwerke angeht. In einem kuriosen Dekret entschied jetzt der Bußgerichtshof des Vatikans, dass Follower des päpstlichen Twitter-Accounts auf einen vollständigen Ablass hoffen können.

Ablässe bezeichnen nach katholischer Glaubenslehre den Erlass einer "zeitlichen Strafe vor Gott für Sünden, die hinsichtlich ihrer Schuld schon getilgt sind". Sie sollen die Zeit reduzieren, die der Gläubige nach seinem Tod zur Läuterung im Fegefeuer verbringen muss. Zu unrühmlicher Bekanntheit gelangte diese Tradition im Mittelalter, als die Kirche Ablässe für Geld verkaufte.

Zuständig für das Gewähren von Sonderablässen ist heute die Apostolische Pönitentiarie, der Bußgerichtshof des Vatikans - und der brachte nun in seinem Dekret erstmals soziale Netzwerke mit der Verweildauer im Fegefeuer in Verbindung.

"Das schließt Twitter mit ein"

Danach gewähre die Kirche jedem einen vollständigen Ablass, der den Weltjugendtag in Rio de Janeiro (23. bis 28. Juli)  vor Ort verfolge. Es reiche aber auch aus, die Feierlichkeiten per Fernsehen, Radio oder über soziale Medien zu verfolgen. "Das schließt Twitter ein", sagte ein Sprecher der Pönitentiarie dem "Guardian"  und bezog sich dabei auf den päpstlichen Account bei der Kurznachrichtenplattform. "Sie müssen die Ereignisse aber live verfolgen", fügte er hinzu. "Es ist nicht so, dass man fürs Chatten im Internet einen Ablass bekäme."

Tatsächlich heißt es im Dekret der Pönitentiarie , der gläubige Twitter-Benutzer müsse zuvor die Beichte abgelegt, die Kommunion empfangen und "im Sinne des Heiligen Vaters" gebetet haben. Hoffnung auf einen Ablass könnten sich zudem nur jene User machen, die aus "legitimem Grund" nicht persönlich nach Rio reisen könnten.

Auch der Medienverantwortliche des Vatikans beeilte sich, die Entscheidung des Bußgerichtshof zu relativieren. "Einen Ablass holt man sich nicht wie einen Kaffee am Automaten", zitierte der "Corriere della Sera" Erzbischof Claudio Maria Celli . "Es kommt darauf an, dass die Tweets des Papstes echte spirituelle Früchte in unseren Herzen tragen."

rls
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