U-Boot-Katastrophe Putin kündigt Offenheit an

Der russische Präsident Wladimir Putin hat nach der Bergung der ersten toten Matrosen aus dem verunglückten Atom-U-Boot "Kursk" eine offene Untersuchung der Ursache angekündigt.


Die Bergungsarbeiten in der Barentssee dauern an
REUTERS

Die Bergungsarbeiten in der Barentssee dauern an

Moskau - "Die Arbeiten werden so offen wie möglich durchgeführt. Das gilt auch in Bezug auf die Ursachen der Katastrophe", sagte Putin in einer ersten Reaktion in Moskau. Putin hatte nach dem bis heute ungeklärten Untergang der "Kursk" am 12. August in der Barentssee den Angehörigen versprochen, die Leichen der 118 Seeleute aus dem Wrack in mehr als 100 Meter Tiefe zu bergen. "Die Arbeiten in der 'Kursk' werden fortgesetzt. Wir halten unser Versprechen", zitierte die Nachrichtenagentur Interfax Putin.

Bei dem ersten Opfer, das russische Spezialisten identifiziert haben, handelt es sich um einen Kapitänleutnant mit dem Namen Kolesnikow. In der Uniformtasche des Mannes wurde ein Zettel gefunden. Er habe die letzten Augenblicke vor seinem Tod festgehalten, erklärte Marine-Oberbefehlshaber Wladimir Kurojedow nach Angaben der Agentur Itar-Tass. Demzufolge haben 23 Seeleute die Explosion auf dem Atom-U-Boot zunächst überlebt.

Auf dem Papier steht: "Alle Besatzungsmitglieder der sechsten, siebten und achten Abteilung sind in die neunte gegangen. Wir sind hier 23 Mann. Wir haben uns wegen der Havarie zu diesem Schritt entschlossen. Keiner von uns kann an die Oberfläche gelangen." Und er fügt hinzu: "Ich schreibe dies blind." Offenbar war die Notbeleuchtung bereits ausgefallen.

Taucher beim "Kursk"-Wrack
AP

Taucher beim "Kursk"-Wrack

Einen Hinweis auf die Ursache des Unglücks gibt es in dieser Nachricht offenbar nicht. Auf der Notiz war die Zeit 13.15 Uhr vermerkt, jedoch ohne Angabe eines Datums. Russische und ausländische Schiffe in der Barentssee hatten am Tag des Unglücks, am 12. August, gegen 11.30 Uhr eine Explosion registriert.

In der neunten Abteilung der "Kursk" befand sich die Notausstiegsluke. Russische U-Boote konnten nach dem Unglück nicht an die Luke andocken. Das gelang erst eine Woche später norwegischen Tauchern, die jedoch keine Überlebenden fanden.

Kurojedow sagte, nach der Entdeckung der Notiz konzentrierten sich die Taucher bei ihrer Arbeit auf die neunte Kammer. Kolesnikow sei der einzige Matrose, der bisher identifiziert worden sei. Die Tiefseetaucher hatten in den vergangenen fünf Tagen ein Loch in die Außenwand der "Kursk" geschnitten und waren am Mittwoch in das Wrack eingestiegen. Russische Marinevertreter hatten kurz nach dem Unglück erklärt, dass möglicherweise einige der 118 Matrosen die Explosion überlebt haben könnten, worauf auch Klopfzeichen aus dem Wrack deuteten. Andere hielten dies für unwahrscheinlich und schrieben die Geräusche zerberstenden Ausrüstungsgegenständen zu.



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